Schön geschrieben, gut zu lesen, aber dennoch nicht vollkommen überzeugend.
An formalen Dingen ist nur wenig zu beanstanden. Einige wenige Flüchtigkeitsfehler sind enthalten, aber nicht zu zahlreich. Ab und an gibt es Ausflüge in die alte Rechtschreibung, die sich allerdings nur im zu verkraftenden 'ß' anstelle eines doppelten 's' äußern.
Stilistisch ist die Geschichte sehr sicher und klar. Die Ausdrucksweise eines Barden aus... mehr anzeigen
Schön geschrieben, gut zu lesen, aber dennoch nicht vollkommen überzeugend.
An formalen Dingen ist nur wenig zu beanstanden. Einige wenige Flüchtigkeitsfehler sind enthalten, aber nicht zu zahlreich. Ab und an gibt es Ausflüge in die alte Rechtschreibung, die sich allerdings nur im zu verkraftenden 'ß' anstelle eines doppelten 's' äußern.
Stilistisch ist die Geschichte sehr sicher und klar. Die Ausdrucksweise eines Barden aus einer Fantasywelt scheint mir gut eingefangen zu sein. Lediglich die Anrede des Lesers mit „Sie“ (S. 7) wirkt ein wenig fehl am Platz, da sich der Barde innerhalb seiner Geschichte ansonsten stets des Pluralis Majestatis bedient.
Der untote Raluard ist ein interessanter Protagonist und eröffnet durch seinen Zustand einige tolle Möglichkeiten. Allerdings kommt die innere Beschäftigung mit seinem Dasein teils etwas kurz. Seine Erscheinung bietet zwar ständig Gesprächsstoff, aber insbesondere in Anbetracht der Hintergründe ist er selbst etwas zu heiter oder unbekümmert. Er ist ja keinesfalls einverstanden mit dem Schicksal, das ihn ereilt hat. Am Ende zeigt er das, vorher dagegen kaum.
Bezüglich der Abenteurergruppe ist nicht nur der Kleriker recht deutlich einem klassischen Rollenspiel entlehnt. Krieger, Bogenschütze, Magier und Priester als gängige Zusammenstellung und typische Attribute wie die Arroganz des Magiers oder die Zugehörigkeit der Bogenschützin zum Volk der Elfen lassen unweigerlich diesen Eindruck aufkommen. Da alle „Helden“ durchweg konsequent in ihren Rollen bleiben, ist dieser Umstand nicht schlimm, macht sie aber auch nicht gerade zu herausragenden Figuren. Allerdings unterstreicht das auch den Aspekt, dass sie eben nur eine weitere, erfolglose Gruppe neben all den vorigen sind.
Aurogrir tritt zu kurz in Erscheinung, um mehr als ein Nebencharakter zu sein, hinterlässt dabei jedoch genau den Eindruck des morbiden Dunkelmagiers, der wohl beabsichtigt ist. Leise kommt die Frage auf, was der Nekromant eigentlich macht, außer seinen Turm mit „Skulpturen“ zu dekorieren. Immerhin ist er schon eine ganze Weile dort auf seiner Insel und tut scheinbar nicht mehr, als Leichen zu sammeln. Wichtig für die Geschichte sind seine Motive allerdings nicht.
Zur Geschichte selbst gibt vor allem die leicht schwammige Definition von Raluards Fluch zu denken. Einerseits kann er nicht direkt jemanden warnen (S. 24), andererseits fordert er Laeneliel völlig unverhohlen auf, nicht zum See zu gehen (S. 17). Auch die Niederschrift seiner Geschichte erscheint sehr direkt. Darüber hinaus kann Aurogrir Raluard aus dem Turm zwingen (S. 26), ihn aber offensichtlich nicht dazu bringen, statt abschreckenden nur noch verlockende Geschichten über den Turm zu erzählen. Nicht einmal allgemein zum Erzählen kann er ihn zwingen, wenn Raluard sich früher einfach eine Weile im Wald verborgen hat (S. 25).
Daraus ergibt sich einerseits de Frage, ob es tatsächlich so gut ist, wenn Raluard seine Geschichten erzählt, da sie scheinbar doch eher eine Verlockung darstellen und der See vielleicht in Vergessenheit geriete, wenn er keine Schauergeschichten über ihn erzählen würde. (Da er selbst das Gegenteil behauptet (S. 25) vermute ich allerdings, dass sich der See allgemein eines gewissen Rufes erfreut und seine Bekanntheit nicht nur von Raluard abhängt.)
Andererseits zieht das wiederum die Frage nach sich, warum Aurogrir Raluard „am Leben“ lässt, wenn sich der Barde lediglich als mindernder Faktor auf die Anzahl der achtlosen Abenteurer auswirkt. All diese Aspekte werden allerdings durch die Bemerkung des Nekromanten bezüglich der Zauberformel (S. 26) ein wenig relativiert, da diese der Zauberei etwas Willkürliches und nicht immer Berechenbares verleiht.
Abschließend bleibt anzumerken, dass im Grunde ab „Vielleicht würden aber die vier erfolgreich sein“ (S. 14) klar ist, dass Raluard mehr weiß, als er sagt. Auch sein persönliches Interesse lässt sich hier bereits erahnen. Die Auflösung diesbezüglich überrascht daher nicht wirklich, was sich allerdings nicht negativ auf das Interesse beim Lesen auswirkt. Zumal mir die Umsetzung des Themas „Dornen am Ufer“ gefällt; nicht zuletzt wegen der Anekdote zum gepanzerten Ritter. Dieser Umstand wiegt die fehlende Überraschung ob Raluards Rolle durchaus auf.
Insgesamt gesehen lebt „Iriaulath“ vor allem vom Schreibstil und vom Protagonisten. Dessen Zustand ist allerdings der Grund dafür, dass die Auflösung am Ende nicht zur Gänze überzeugt und etwas hingebogen wirkt, ohne dabei jemals zu einer groben Unstimmigkeit zu werden. Eben schön, aber nicht herausragend.
Gruß,
Mithan