Was für eine Mischung bereits auf S. 5!
Die zuerst vorgestellte Protagonistin ist zugleich Theologieprofessorin, Krimiautorin UND Feministin. [Die feministische Seite der Protagonistin spielt jedoch im weiteren Text keinerlei Rolle mehr, so dass ich mich nach Beendigung des Lesens frage, warum DAS nun erwähnt wird.]
Der zweite Protagonist wird einmal als Kriminalhauptkommissar UND eingefleischter Kriminologe vorgestellt.
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Was für eine Mischung bereits auf S. 5!
Die zuerst vorgestellte Protagonistin ist zugleich Theologieprofessorin, Krimiautorin UND Feministin. [Die feministische Seite der Protagonistin spielt jedoch im weiteren Text keinerlei Rolle mehr, so dass ich mich nach Beendigung des Lesens frage, warum DAS nun erwähnt wird.]
Der zweite Protagonist wird einmal als Kriminalhauptkommissar UND eingefleischter Kriminologe vorgestellt.
Da beschleicht mich persönlich das Gefühl, der Autor hätte die Befürchtung, seine Geschichte würde weniger glaubwürdig, wenn er nicht mit solch’ fachkundigen Protagonisten aufwartet. Dabei denke ich persönlich: weniger ist manchmal mehr, denn mich persönlich hat schon S. 5 mit der geballten Kompetenz erschlagen.
Im folgenden purzeln dann Zeitformen durcheinander. Auf S. 7 heißt es: „Auch heute, zehn Jahre nach seiner Pensionierung ... Was geschah damals? Es war ein regnerischer Septembermorgen gewesen, wie heute, als der aufgeregte Anruf ... einging.“ Das verwirrt mich Leser, denn für mich ist *heute* *heute*; hier verwendet der Autor jedoch dieses *heute* zweimal innerhalb eines gemeinsamen Kontextes mit unterschiedlicher Bedeutung einer Zeitangabe. Auch auf S. 12 die falsche Zeitform: „ ... Er lebte nach erfolgreicher Geschlechtsumwandlung bis zum heutigen Tag als Frau.“ Als was lebt er denn morgen? oder lebt er dann nicht mehr?, frage ich mich unwillkürlich. Es müsste wohl heißen: „Er lebte nach erfolgreicher Geschlechtsumwandlung von da an als Frau.“ Oder „Er lebt nach erfolgreicher Geschlechtsumwandlung bis zum heutigen Tag als Frau.“
Ungenaue Bezeichnungen des Protagonisten Weilheim. Auf S. 10 (S. 12) wird die vom Autor als pensioniert eingeführte Figur des Kriminalisten Weilheim als *Chef* und *Boss* bezeichnet. Da frage ich Leser mich: Ist er nun pensioniert oder ist er noch der Chef? Nun könnte der Autor entgegnen, dass der ehemalige Mitarbeiter den Weilheim immer noch als Boss ansieht. Ja, stimmt! Das müsste der Autor dann aber, um nicht zwingend Verwirrung zu stiften, auch kurz erwähnen. [Auf S. 13 ist nun erstmals von „... EHEMALIGER Chef ...“ die Rede ...]
Eine weitere sprachliche Ungenauigkeit, die kurz Verwirrung stiftet, auf S. 11: „Die Autorin beschrieb ... Sexualleben des Getöteten und ließ dann anschließend ihrer Phantasie freien Lauf. So hätte der Priester der Gemeinde selbst ein dunkles Geheimnis gehabt.“ Mit dem Getöteten ist der Kölner Professor gemeint, von dem im vorherigen Kontext die Rede ist. Man fragt sich beim Lesen: Wo kommt plötzlich der Priester her? Welcher Priester? Der Einschub des kleinen Wortes *auch* würde hier die leichte Verwirrung auflösen. „So hätte AUCH der Priester der Gemeinde ...“
Auf S. 16/17 erzählt Andrea Sardin dem pensionierten Kriminalhauptkommissar „... die traurige Geschichte ... [ihrer] ... unglücklichen Liebe ...“, von den gesellschaftlichen Vorbehalten und dem Hochverrat, den sie empfand und teilt auf S. 19 mit, dass sie den „ ... Priesterstand aufgab und die Geschlechtsangleichung durchführen ließ ...“ Die gesellschaftlichen Vorbehalte und der gefühlte Hochverrat hinderten die Autorin im Buch [Andrea Sardin] nicht daran, eine Theologieprofessorin zu werden?! Das klingt nicht logisch! Oder ist das so vom Autor gewollt, um aufzuzeigen, welch’ doppel-moralisches Leben dieser Mensch führt?!
Abschließend will ich nicht glauben, dass ein erfahrener Kriminalhauptkommissar und Kriminologe, der laut Inhalt des Textes, JEDEN bisherigen seiner Fälle lösen konnte, trottelig genug ist, die Schuhgröße nicht in den richtigen Bezug zum Fall herzustellen und laut Text „... egal ...“ denkt; war doch besonders der Pumps mit einer für eine Frau ungewöhnlichen Schuhgröße eines der einzigen Beweise ...
Fazit: Eine, aus meiner Sicht, anstrengende, nicht spannende Geschichte, die der Autor hier offeriert. Die Mängel, die ich erwähne, empfinde ich persönlich als eklatant, weil sie die (ohnehin schon) kompliziert angelegte Geschichte schwer lesbar machen. Der präzisere Umgang mit den Zeitformen und der Wortwahl könnte aus der Grundidee eine gute Geschichte werden lassen. Die liegt, meiner Meinung nach, zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Auch wenn die hohe Anzahl der bereits vergebenen Pokale eine offensichtlich andere Sprache sprechen ...
Herzlich gnies.retniw