Liebe Katja,
einmal angefangen zu lesen, konnte ich nicht aufhören.
Du verstehst es wirklich, auf sehr subtile Art Spannung zu erzeugen und diese bis zum Ende hochzuhalten, ja, genau in dem Moment aufzuhören, in dem man weiterlesen möchte.
Obwohl das Buch unter der Kategorie Fantasy steht (ein Novum bei dir, wenn ich nicht irre), trägt die ganze Geschichte doch deine unverkennbare Handschrift.
Es ist auch nicht eine der üblichen... mehr anzeigen
Liebe Katja,
einmal angefangen zu lesen, konnte ich nicht aufhören.
Du verstehst es wirklich, auf sehr subtile Art Spannung zu erzeugen und diese bis zum Ende hochzuhalten, ja, genau in dem Moment aufzuhören, in dem man weiterlesen möchte.
Obwohl das Buch unter der Kategorie Fantasy steht (ein Novum bei dir, wenn ich nicht irre), trägt die ganze Geschichte doch deine unverkennbare Handschrift.
Es ist auch nicht eine der üblichen Fantasygeschichten, die in einer anderen Welt spielen, in der sich mystische Gestalten tummeln, sondern du führst den Leser direkt in eine sehr reale Umgebung. Die Zeichen für das „andere“, Mystische sind fein gestreut und eigentlich durchziehen sie das ganze Buch, wenn man aufmerksam liest. Dies gelingt dir nicht durch bloße Beschreibung längerer Szenen, sondern durch Kleinigkeiten, kurze Sequenzen, Dialoge, Gedanken. Man antizipiert, ahnt...und gerade das macht es für mich so interessant.
Wie immer sind bei dir die Charaktere hervorragend gezeichnet, auch hier nicht durch bloße Beschreibung, sondern die wesentlichen Merkmale eröffnen sich durch die interessanten Dialoge und Gedanken der Protagonisten.
Auch geben die Charaktere einige Identifikationsmöglichkeiten.
Chess - seine Geschichte hat mich sofort fasziniert. Er bietet eine Identifikationsfläche für jene, die kämpfen müssen, vielleicht scheitern, wieder auf die Füße kommen oder versuchen, ihr Leben in die Reihe zu bringen. Eigenes, wenn auch ganz anders geartet, lässt sich hier wunderbar projizieren. Die Schwächen von Chess (z.B. Eifersucht) und seine Stärken (Wille, Kampfgeist, Beharrlichkeit) bieten viele Möglichkeiten. Bei einigen Passagen konnte ich mich wiederfinden. Robbies Position - als ich versuchte, mich in ihn hineinzudenken, konnte ich mehr Distanz entwickeln. Zuweilen wirkte er wie ein Katalysator. Ich bin gespannt, welche Rolle er noch spielen wird.
Ellie hat eine Sonderposition. Für mich war es sehr interessant ihre Ängste herauszuspüren, die sie (vor allem um Chess) hat. Locker, scheinbar überlegen, stark spürt man doch anderes. Dieser Satz von ihr "Du bist nicht deine Vergangenheit" ist gut gewählt und es stellt sich dem Leser die Frage, wie viel wir von unserer Vergangenheit mitnehmen (müssen) und was wir wirklich abstreifen können, um unser Leben zu gestalten, ihm neue Richtungen zu geben. Hierüber habe ich schon oft nachgedacht.
Inhaltlich möchte ich gar nicht so viel vorwegnehmen. Die Handlung ist verständlich und die Rückblenden gut eingebaut.
Der Leser folgt dieser Handlung jetzt nach Eldrids Tod und taucht so ein in das wunderbare Jahr, das Chess und sie gemeinsam hatten. Nicht nur die „Hauptakteure“ werden detailliert gezeichnet, auch Nebencharaktere wie den Freund von Chess, Hagedorn, Tante Heidrun...bringst du dem Leser nahe.
Diesmal ist es nicht so sehr ein Stück Zeitgeschichte, welches du skizzierst, sondern du gibst Informationen über die Mystik einer anderen (Sagen)welt germanischen und keltischen Ursprungs und hier sieht man wieder deine guten Kenntnisse. Elementarkräfte, Alben, Götter – alles sehr gut verwoben mit den Geschehnissen, die sich hier abspielen.
Wie immer ist dein Schreibstil überzeugend, klar und doch nie langweilig.
Der Titel „Albnacht“ und der Untertitel des ersten Teils „Nachmittag“ lässt vielleicht erahnen, dass in den Fortsetzungen „Abend“ und „Nacht“ folgen werden und sich am Ende (nach dieser Nacht) alles zu einem Ganzen zusammenfügt. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Weiteres.
Übrigens: Dein Songzitat „It’s easier to run“ zu Beginn des Buches von Linkin Park ist sehr passend und wirkt wie ein Spiegel. „It's easier to run
Replacing this pain with something numb.
It's so much easier to go
Than face all this pain here all alone.” Eine Realität, die so viele Menschen praktizieren, weil das andere eben so schwer ist.
„Pretending“ – vorgeben, vorspielen....oft nicht nur nach außen, sondern auch vor uns selbst...
lg
Enya