Hallo Katja,
die KG ist ausdrucksstark beschrieben! PUNKT.
Mein Kommi ist eigentlich an die anderen Kommentatoren gedacht, zwecks
Diskussionsgrundlage. Mein Sohn kam als Einzelgänger in der Grundschule in die nahegelegene ca. 2000 Schüler fassende Gesamtschule. Vom einzigen Freund, den er im 4. Schuljahr endlich gefunden hatte, wurde er in einen anderen Klassenverband getrennt, um vorhandene Gruppen aufzubrechen, wie es von... mehr anzeigen
Hallo Katja,
die KG ist ausdrucksstark beschrieben! PUNKT.
Mein Kommi ist eigentlich an die anderen Kommentatoren gedacht, zwecks
Diskussionsgrundlage. Mein Sohn kam als Einzelgänger in der Grundschule in die nahegelegene ca. 2000 Schüler fassende Gesamtschule. Vom einzigen Freund, den er im 4. Schuljahr endlich gefunden hatte, wurde er in einen anderen Klassenverband getrennt, um vorhandene Gruppen aufzubrechen, wie es von Schulseite her hieß. In allen Pausen hielt er sich ausschließlich in der Bibliothek auf und vermeidete jeglichen Kontakt. Als er von uns Geld verlangte, da er am nächsten Tag drei seiner Mitschüler 20¤ bringen solle, anderenfalls er ein blaues Auge bekommen würde, sprach ich am nächsten Tag mit seiner Klassenlehrerin. Ich solle froh sein, dass es an dieser Schule kaum Gewaltvorkommnisse gäbe, und dass es ja nur eine Drohung wäre, und wäre er in der 7, hätte es erst ein blaues Auge, mit der Drohung auf ein zweites gegeben.
Um allen falsch gewickelten Mitkommentatoren den Wind zu nehmen: Mitanführer einer der 3 bis 5 köpfigen Gruppen war ein Mädchen, welche sich auch selbst nicht scheute, ihre Faust auch schon einmal im Gesicht eines Schülers, auch einer höheren Klasse zu platzieren. Einen zweiten Gegenwind, der einem in einschlägigen Medien oft begegnet, will ich auch gleich ausräumen: Kinder mit „Migrationshintergrund“ stellen an dieser Schule nur einen verschwindend geringen Anteil, waren in der Grundschule = 0, sind auch in den Augen der Schüler irrelevant, und dadurch nicht in der Lage, Gruppenbildungen zu beeinflussen.
In den nächsten zwei Jahren sprach er mit niemandem, kannte nicht einmal den Namen seines Sitznachbarn. Die Angst vor der Schule konnte ich meinem Sohn nie nehmen, außer, wenn er sich vormittags mit „Bauchschmerzen“ ins Sekretariat flüchtete, und ich ihn abholen musste. In dieser Zeit wurde auch der Schulpsychologe eingespart.
Mein Sohn wartete auf die Oberstufe, in der alle die „Gehirnamputierten“, wie er es nannte, die Schule verlassen hätten. In der Oberstufe veränderte sich alles: Einige der Schläger sind wegen guter Zensuren auch noch da. Doch ihrer Gruppe zerrissen, gibt es nun nur noch Einzelkämpfer auf dem Weg zum Abi. Heute ist er 19, kurz vor’m Abi. Die ehemaligen Schläger begegnen ihm, und er ihnen, mit höflichem, anonymem Respekt. Alles Einzelkämpfer, denen der Mitschüler, Mitmensch egal ist.
Unsere Tochter besucht eine Waldorffschule, die dieses Prinzip auf den Kopf stellt. Ich will hier keine Werbung für irgendeine pädagogische Grundrichtung machen, doch sie kennt keine Angst vor der Schule.
Heute, wenn unsere Gespräche auf Mobbing kommen, ist mein Sohn der Meinung, dass Strafaktionen, wie Fußball ohne Zuschauer kontraproduktiv sind. Er hat pazifistische Grundtendenzen, findet aber, dass es gar nicht genug brutale „ego-shooter“ gibt, um das alte, notwendige „panim et cicensis“ zu befriedigen. Was meint, durch das pausenlose, brutale Abschlachten von Menschen in der virtuellen Welt, ist der Drang nach Teilhaben an der Macht über andere, in der realen Welt nicht mehr nötig.
Es tut mir leid, den Kommentar teil zu missbrauchen, doch ich stelle diese meine Erfahrung, und die Meinung meines Sohnes hier einmal zur Disskussion.
Hilmar