Grauenhaft schauervoll und gleichzeitig faszinierend berührend. Wie sehr der Protagonist seine Frau liebt, ist bereits auf der ersten Seite in wenigen Zeilen zu spüren. So ausdrucksstark sprachgewandt formuliert, dass mich die Beschreibung seiner Seele noch mehr fesselt als die dramatische Schilderung der seltsamen Krankheit und ihrer entsetzlichen Folgen.
"Die Knochen sind zu dick. Nur noch den Unterarm ..."
Wie hat er es... mehr anzeigen
Grauenhaft schauervoll und gleichzeitig faszinierend berührend. Wie sehr der Protagonist seine Frau liebt, ist bereits auf der ersten Seite in wenigen Zeilen zu spüren. So ausdrucksstark sprachgewandt formuliert, dass mich die Beschreibung seiner Seele noch mehr fesselt als die dramatische Schilderung der seltsamen Krankheit und ihrer entsetzlichen Folgen.
"Die Knochen sind zu dick. Nur noch den Unterarm ..."
Wie hat er es trotzdem geschafft, das Bein abzutrennen? Wille versetzt Berge und er brauchte noch Zeit, um seiner Beatrice seine Deutungen der Erlebnisse der letzten Stunden mitzuteilen. Wie bedauerlich, dass seine Aufzeichnungen vergebens waren und seine Erkenntnisse somit verloren sind! Wie traurig, dass sie nichts von seiner Euphorie erfahren wird. Wie betrüblich, dass sie nicht weiß, wie nah er ihr in Gedanken war, als er stundenlang die Gravur seines Eherings in die Fensterbank ritzte.
Diese fließenden Übergänge aus Horrorszenen, ewiger Liebe und Seelenfrieden sprechen mich sehr an und beeindrucken mich tief. Vielleicht ist die Nekrose ja auch als Metapher für einen qualvollen Tod gemeint?
Die Atmosphäre des 15. Jahrhunderts ist für mich greifbar. Das Ende in der Gegenwart mit Pilgerpfad, Buche, Thymian, Minze und der Gravur schließt den Kreis und schickt mich selbst auf eine Gedankenreise.
Die Erzählweise ist sehr gelungen und der wunderbare sprachliche Ausdruck singt in mir und wird noch lange nachklingen. Das ist wieder eine Geschichte, die ich nie vergessen werde!