Bin erstaunt, Herr Herden. Mit solcher Steilvorlage hätte ich nicht gerechnet. Nun aber mal eins nach dem anderen:
Wie kommen Sie auf die absurde Behauptung, die moderne Wissenschaft verzichtet auf Wahrheit und berufen sich dabei auf Karl Poppers Falsifizierungstheorie. Selbst Popper postulierte dies nur, um vermittels dieser Methodologie zur Wahrheitsfindung zu gelangen, was sie hier geflissentlich unterschlagen. Selbst die... mehr anzeigen
Bin erstaunt, Herr Herden. Mit solcher Steilvorlage hätte ich nicht gerechnet. Nun aber mal eins nach dem anderen:
Wie kommen Sie auf die absurde Behauptung, die moderne Wissenschaft verzichtet auf Wahrheit und berufen sich dabei auf Karl Poppers Falsifizierungstheorie. Selbst Popper postulierte dies nur, um vermittels dieser Methodologie zur Wahrheitsfindung zu gelangen, was sie hier geflissentlich unterschlagen. Selbst die Lösungen in der Mathematik streben nach einer Aussage, ‚wahr‘ oder falsch, gleichviel auf welchem Wege, und davon hängen ganz wesentlich weitere Untersuchungen ab. Aber das muss ich Ihnen doch nicht sagen. Ein in sich widerspruchsfreie Aussage impliziert somit nichts anderes als eine ‚wahre‘ Aussage. Hierbei würde mich mal interessieren, was Sie eigentlich unter Wahrheit verstehen? Seltsamerweise äußern Sie sich dazu gar nicht, ganz zu schweigen zum Problem der absoluten Wahrheit, da hier die ganze Zeit diskutiert wird.
Nun mal kurz zu Ihren Fragen an Helga:
1. Möchten Sie, dass sich die Wissenschaft an den Bedürfnissen des Marktes orientiert und damit u. U. ausschließlich den Interessen des Kapitals dient?
Diese Frage ist suggestiv und kann daher so nicht gestellt werden. Besser wäre: Woran soll sich Ihrer Meinung nach die Wissenschaft orientieren … darauf kann man vernünftig und zwanglos antworten …
2. In welchem Umfange halten Sie es für angezeigt, die Freiheit der Forschung einzuschränken? Und durch wen soll diese Einschränkung erfolgen?
Sobald sie gegen grundsätzliche Fragen von Moral und Ethik verstößt und somit inhumanen Interessen dient und das rigoros
3. Sollte Ihrer Meinung nach wissenschaftliche Tätigkeit in jedem Falle öffentlich gerechtfertigt werde. Und wer repräsentiert die Öffentlichkeit?
Das ist sogar ein Muss. Geheime Forschungen haben immer einen Grund für ihre Geheimhaltung. Wenn nicht für das Wohl der Menschheit, wem soll sie sonst dienen, und wer, wenn nicht die Allgemeinheit hat das Recht darauf, darüber Rechenschaft zu bekommen und über sie zu wachen.
4. Wodurch sind „Feierabendintelligenzler“ charakterisiert?
Das müssen Sie mir schon erklären
4.1 Sie halten sich nicht für unintelligent, also intelligent.
Was ist falsch daran?
4.2 Sie umgeben sich gerne mit Kultur, weil diese ihrer Intelligenz (ihrer Eitelkeit) schmeichelt.
Gehört Kultur nicht zu jedem zivilisierten Menschen? Und hat ein solcher nicht auch ein Anrecht auf Eitelkeit?
4.3 Sie diskutieren aufrichtig gerne, bei einem Gläschen Wein, vor dem Kamin. Dann lassen sie ihre Gedanken in ungeahnte Höhen fliegen und sind manchmal richtig erstaunt über ihr eigenes Wissen. Früher nannte ich „Feierabendintelligenzler“ deshalb auch „Dämmerschoppenintelligenzler“
Empfinden Sie denn anders? Oder sind Sie schon so abgeklärt, dass sie Ihr eigenes Wissen langweilt? Frage zurück: Wodurch unterschieden Sie sich von einem ‚echten‘ Intelligenzler?
4.4 Sie sind selbstzufrieden selbstbewusst.
Wäre das so, würden sie dann diskutieren? Ist Selbstbewusstsein ein Fehler?
4.5 Sie denken sich gern eins.
Das gehört zum Denken im Allgemeinen dazu.
4.6 Sie spekulieren gerne, lassen ihrer Phantasie freien Lauf.
So was nennt man Kreativität
4.7 Sie wissen, dass ihr Denken Grenzen hat. Man kann schließlich nicht alles können.
Ist Ihr Denken grenzenlos? Können Sie denn alles?
4.8 Sie vermeiden jede Art von Denken, dass sie möglicherweise an ihrer Intelligenz zweifeln lassen könnte. „Durch eigene Qual mehrt sich Dein Wissen.“ So siehst Du aus.
diesen Satz musste ich zweimal lesen, da er einen Widerspruch enthält … ich habe also Angst, weiter zu denken, als ich kann? Ich kann aber nur so weit denken, wie ich kann, könnte ich weiter denken, würde ich es tun, wenn ich nur Könnte. Komischer Syllogismus
4.9 Sie vermeiden jede Art von Denken, dass sie möglicherweise zu der Einsicht bewegen könnte, sich von Grund auf ändern zu müssen.
Nichts lieber als das, Ziel meines Denkens ist ja gerade der Wissenszuwachs und somit das Erkennen eigener Fehler implizit nötiger Veränderungen
4.10
Sie sind nämlich in Ordnung, so wie sie sind.
unverständlich
Mit freundlichen Grüßen
Ihre Tine
Phantastisch, der Wahrheitsgedanken mal auf die praktischen Seiten des Leben anzuwenden. Es ist in der Tat so, dass dort die Wahrheit oft als Takt- oder Machtmittel missbraucht und je nachdem, in welchem Sinne es dienlich ist, nach Belieben verdreht und ausgelegt wird, was... mehr anzeigen
Phantastisch, der Wahrheitsgedanken mal auf die praktischen Seiten des Leben anzuwenden. Es ist in der Tat so, dass dort die Wahrheit oft als Takt- oder Machtmittel missbraucht und je nachdem, in welchem Sinne es dienlich ist, nach Belieben verdreht und ausgelegt wird, was wieder einmal bezeigt, wie geduldig doch unsere Sprache ist, wenn man hinter die Bedeutung der Begriffe schaut. So kann man, wie Jürgen andeutet, aus Takt- oder Anstandsgründen lügen, um diplomatisch vorzugehen, aber auch allein auch machtstrategischen Gründen eiskalt kalkulieren, nur um seine Macht zu erhalten. Natürlich ist der Schweregrad der Lüge dabei unterschiedlich und doch vom Grundsatz her immer gleich. Fast scheint es, als wäre ein Leben ohne Lüge unmöglich, wenn man sieht, wo überall gelogen wird. Selbst hier bei Bookrix bin ich mir nicht immer sicher, ob die gegebenen Kommentare wirklich dem wahren Urteil entsprechen oder doch nicht mehr nur der Intention folgen, durch eine möglichst gute Bewertung nur eine ebensolche für sich herauszuschlagen. Über diese Dingte hat man hier offenbar wirklich noch nicht nachgedacht.
Dem muss ich zustimmen. Wahrheit wird in jeder demokratischen Rechtsordnung nach Belieben gedreht und Interesse der Macht entsprechend ausgelegt, im Falle von Diktaturen sogar gepachtet, wie der Marxismus als ‚Staatsreligion‘. Erstaunlich, welche Wortkreationen dabei benutzt... mehr anzeigen
Dem muss ich zustimmen. Wahrheit wird in jeder demokratischen Rechtsordnung nach Belieben gedreht und Interesse der Macht entsprechend ausgelegt, im Falle von Diktaturen sogar gepachtet, wie der Marxismus als ‚Staatsreligion‘. Erstaunlich, welche Wortkreationen dabei benutzt werden. Denke ich zb. an Worte wie ‚Endlösung‘ für Mord, zu NS-Zeiten oder ‚antifaschistischer Schutzwall‘ für Mauer zu Zeiten des kalten Krieges, klingt schon reichlich seltsam. Aber auch wir im Westen sind nicht besser. Denke ich z.b. an ‚Nullwachstum‘ oder ‚Minuswachstum‘ (ganz zu schwiegen von den ‚investigativen‘ Untersuchungsmethoden neuzeitlicher Journalisten, die in der Verballhornung unserer Sprache offenbar ihren Spaß finden). Aber es ging noch ärger zb. mit ‚Vorneverteigung‘ oder ‚Vorwärtsverteidigung‘, logischer Unsinn, abr es wurde so geredet. Da muss man erst mal drauf kommen. Auch sind für mich Begriffe wie ‚Arbeitgeber‘ oder ‚Arbeitnehmer‘, immer wieder irreführend, denn sinngemäß ist doch der, welcher seine Arbeit gibt, der Arbeitgeber und der sie nimmt, der Arbeitsnehmer. Hm. Die Kette ließe sich jetzt sicher endlos fortsetzen und bezeigt doch einmal mehr, wie sehr doch Lüge und Halbwahrheiten (die übrigens noch schlimmer als Lügen sind) in unserem täglichen Leben präsent sind.