Erst nach dem Lesen habe ich runtergescrollt, um meinen Kommentar zu tippen, da sah ich den ellenlangen von Mewa. Ich habe ihn nicht komplett gelesen, sondern nur hier und da mal kurz reingeschnuppert ... und muss ehrlich sagen, dass ich so manchem, was sie sagt, total widersprechen möchte.
Aber erstmal zu meinem eigenen Eindruck: Ich finde den Weg, den dein Prota geht, sehr schön beschrieben - wobei es ja gar nicht auf das... mehr anzeigen
Erst nach dem Lesen habe ich runtergescrollt, um meinen Kommentar zu tippen, da sah ich den ellenlangen von Mewa. Ich habe ihn nicht komplett gelesen, sondern nur hier und da mal kurz reingeschnuppert ... und muss ehrlich sagen, dass ich so manchem, was sie sagt, total widersprechen möchte.
Aber erstmal zu meinem eigenen Eindruck: Ich finde den Weg, den dein Prota geht, sehr schön beschrieben - wobei es ja gar nicht auf das Gehen ankommt, sondern auf das, was im Kopf des Prota vorgeht. Übrigens tendiere ich dazu, den Prota für einen großen Bruder zu halten, nicht für eine große Schwester. Wahrscheinlich, weil er so umsorgend wirkt. Auch ein wenig wie ein Beschützer, da sie ja offenbar immer gemeinsam zum Süßwarengeschäft gegangen sind.
Ich sage zu deinem erzählenden Prota also "er", wenn's Recht ist. ;)
Was mich sehr berührt hat, war, wie liebevoll er an seine kleine Schwester zurückdenkt. Da ging mir wirklich das Herz auf. Mirou ist übertrieben niedlich - ZU niedlich, wenn man es genau nimmt. Doch ich empfinde das hier nicht als störend. Es ist eine Kurzgeschichte, die davon lebt, innerhalb kürzester Zeit ganz intensive Emotionen zu vermitteln. Und das gelingt oftmals nur, indem man Protagonisten überspitzt. Für Charakterzüge, die mit Sicherheit da sind und Mirous Niedlichkeit relativieren würden, ist da einfach kein Platz. Man könnte diesen Platz natürlich schaffen. Aber wozu? Ich halte es für völlig normal und nachvollziehbar, dass der große Bruder sich in einem solchen Moment, auf diesem Weg zur Brücke, verstärkt (und vielleicht idealisierend) an die positiven Seiten seiner kleinen Schwester erinnert. Ich lese hier im Prinzip ja einen inneren Monolog. So zumindest verstehe ich es. Warum ihn dann also denken lassen: "Naja, sie konnte auch ne ziemliche Zicke sein", nur damit der Leser einen realistischeren Menschen vor Augen bekommt? Der Bruder denkt da nicht dran. Also gehört es auch nicht erwähnt. (Im Übrigen HAST du negative Aspekte ihres Wesens angebracht, aber sie wurden allesamt dennoch verniedlicht, so dass man diesem süßen Ding quasi gar nichts mehr übelnehmen konnte.)
So. Nun genug gelobt. Es gibt auch etwas, das mir nicht gefallen hat: Die undefinierbaren Zeitformen. Da musst du schlichtweg gut aufpassen, wann das stattgefunden hat, was du erzählst, und dann konsequent in der Zeitform bleiben. Das war manchmal wahrlich wirr. Empfehlenswert ist diesbezüglich auch eine kluge Platzierung von Absätzen. (siehe Mewas Kommentar)
Jetzt will ich mal noch auf Mewas Worte eingehen:
- Ich gebe ihr Recht in dem Punkt, dass man den Klappentext nicht im Buch wiederholen sollte. Zumindest nicht sofort am Anfang. Das erste, was ich von einem Buch lese, ist der Klappentext. Dann schlage ich das Buch auf ... und was lese ich? Nochmal das selbe. Das ist wirklich nervig.
- Die Beschreibung des verwehenden Ahornblattes gefällt MIR ganz ausgezeichnet.
- Mom und Dad ... stört auch mich kollosal (genauso, wie mich englische Titel stören). Wir sind deutsche bzw. deutschsprachige Autoren, leben in Deutschland und schreiben deutschsprachige Bücher. Wieso um alles in der Welt nennt der Prota seine Eltern also "Mom" und "Dad"??? Ich lasse mich gern eines Besseren belehren, aber ich glaube kaum, dass irgend ein Jugendlicher hierzulande seine Eltern so betitelt. Warum alles verenglischen? Warum spielen überhaupt so viele Geschichten im englischsprachigen Raum? Was ist denn da so viel besser dran, dass so viele Autoren das machen? Versteh' ich nicht.
- Metaphern, die die Gefühle beschreiben. Mewa schreibt viel "diese Metapher ist unglücklich gewählt". Sehe ich NICHT so. Was ist denn "unglücklich"? In Mewas Ohren scheinbar irgendwie nicht gut klingend. In meinen widerrum passt es. Ich hatte überhaupt kein Problem damit. Auch den Hamster als Sinnbild für das Nicht-Weiterkommen fand ich passend. Und der Ausdruck "alles Glück frosten" jagte mir sogar Schauer über den Rücken.
- Beschreibung Mirou. Die finde ich zuckersüß. Wie alles an ihr. Und dass das nach meinem Verständnis sehr passend ist, habe ich ja oben schon weitläufig erörtert. ;) Besonders die Idee, dass sie das Zählen gelernt hat, indem sie ihre Sommersprossen zählt, finde ich herzallerliebst. Konnte mir richtig vorstellen, wie sie mit dem großen Bruder vorm Spiegel steht, mit den kleinen Fingern drauftippt und "Ein-swei-draa-finf-sech-..." zählt.
- Zitat aus Mewas Kommentar: "Du musst die Beschreibung von Mirou in einem Durch machen, damit es sich auch flüssig liest und man nicht so abgehackt lesen muss." NEIN! So scheiden sich die Geister! Ich finde es grässlich, wenn man eine Beschreibung in einem Rutsch durchknallt. Auf mich wirkt das technisch, wie, als hättest du einen Punkt auf einer Liste abhaken wollen. Ich mag es viel lieber, wenn man eine Charakterbeschreibung nach und nach aufdeckt.
Mein FAZIT: Ganz anders als Mewa konnte ich mich in deine Geschichte offenbar besser fallen lassen. Ohne Zweifel gibt es noch Baustellen, die du bearbeiten kannst (Zeitformen, Textstrukturierung). Im Großen und Ganzen empfand ich die Geschichte aber als durchaus gelungen. Ich durfte dabei sein, wie ein Mensch an seine schmerzlich vermisste, kleine Schwester denkt. Da wird natürlich vieles durch die Brille der Liebe gesehen.
Ich sehe großen Einfallsreichtum, was sprachliche Bilder angeht. Aber du solltest tatsächlich aufpassen, sie nicht ZU zahlreich anzuwenden.
Was ich mir gewünscht hätte, wären noch ein paar Gedanken in eine ganz andere Richtung. Hier wird nur zurück gedacht. Aber was ist mit dem Vorwärts? Gewiss fragt sich die Familie doch, wo Mirou ist. Lebt sie noch? Geht es ihr gut? Oder ist sie tot? Und wenn ja, hoffentlich musste sie nicht leiden. ... Lauter solche Gedanken.
Die MÜSSEN natürlich nicht drin sein. Mich persönlich hätten sie aber schlichtweg interessiert.
So. Damit wirbele ich deine Welt bezüglich dieses Buches jetzt sicherlich vollkommen durcheinander - mit einem Kommentar so gegensätzlich zu dem von Mewa. Aber so ist es eben: Vieles ist Geschmackssache. Oder der momentane Gemütszustand wirkt mit. Wer weiß, wie ich die Geschichte empfunden hätte, wenn ich beim Lesen gerade miese Laune gehabt hätte? Oder wenn ich auch eine kleine Schwester hätte (in meiner Familie bin ICH die kleine Schwester - mir das andersherum vorzustellen, ist eben fremd für mich).
Nun ja... das Schöne an Kritiken ist ja, dass man sich aus jeder das rauspicken kann, was einem hilfreich erscheint. ;)
Viel Spaß und Erfolg damit!
Die Yola