Oh nein, mein Lieber, da gibt es aber noch ein anders Problem, was deiner Überlegung widerspricht. Ich will es mal in einer kleinen Episode formulieren: Ein ehemaliger Freund (nüchterner Pragmatiker, Atheist und bekennender Feind jeglicher Theologie) schilderte mir mal folgende Begebenheit. Er war mit einem jungen Mädchen verlobt, das er sehr liebte. Zum Zeichen seiner Liebe, trug er stets den Verlobungsring, da ihn dieser... mehr anzeigen
Oh nein, mein Lieber, da gibt es aber noch ein anders Problem, was deiner Überlegung widerspricht. Ich will es mal in einer kleinen Episode formulieren: Ein ehemaliger Freund (nüchterner Pragmatiker, Atheist und bekennender Feind jeglicher Theologie) schilderte mir mal folgende Begebenheit. Er war mit einem jungen Mädchen verlobt, das er sehr liebte. Zum Zeichen seiner Liebe, trug er stets den Verlobungsring, da ihn dieser immer an sie erinnerte und zwar so sehr, dass er manchmal sogar glaubte, ihre Hand zu halten. Das schien auch nötig, denn er war studienbedingt in einer anderen Stadt immatrikuliert, mehrere Hunderte Kilometer fort und ist dann nur an den Wochenenden zu ihr gefahren. Hier lebte er dann den vorbildlichen, liebevollen Bräutigam aus, der er zweifellos auch war, wenn nicht eine gewisse schalkhafte Lockerheit feinsinnige Menschen zuweilen daran zweifeln ließ. Und in der Tat trieb er es in der Woche, während seines Studiums, ziemlich frei und fröhlich, weniger aus Lust als der Notwendigkeit, dem unbedingten Normverhalten des freien Studentenlebens in einem Internat zu entsprechen. Dabei blieb es natürlich nicht aus, dass er schnell eine, sagen wir mal, recht leichtlebige Mitkommilitonin kennen lernte, die sich nicht sonderlich um moralische Konventionen scherte. :-( Im Gegenteil, als sie von seiner Zurückhaltung in ’gewissen Dingen’ erfuhr, setzte sie sogleich alles daran, ihn mit allen Mitteln zu umgarnen, nur um den anderen das Gegenteil zu beweisen. An einem der folgenden feucht-fröhlichen Abende gelang es ihr auch, ihn mit ihrem Charme derart zu becircen, dass er schließlich einer plötzlichen Anwandlung, halb Zorn, halb Verlangen nachgab und ihr vor allen anderen spontan einen dicken Kuss auf die Lippen drückte. Dabei schloss er, wie er sagte, die Augen und sog mit einem Atemzug das ganze Geschlecht des Weibes ein, und als ihm dann noch ihr Lächeln und ihre Koketterie so sinnbetörend wie verwirrend erschienen, blieb ihm nichts, als ihr Opfer zu werden.
Noch am selben Abend landeten sie im Bett. Durch den reichlichen Alkoholkonsum enthemmt, versuchte er natürlich ihre Erwartungen zu erfüllen, allerdings legte die Beteiligte dabei, welch Wunder, großen Wert darauf, er möge zuvor den Ring abtun, da dieser, wie sie meinte, ihre Intimitäten erheblich stören würde. Als er mit der für schüchterne Männer typischen draufgängerischen Forschheit ihrer Forderung nachkommen wollte, bekam er ihn jedoch irgendwie nicht vom Finger, womöglich, weil er geschwollen war, oder was weiß ich. Und je mehr er es versuchte, je schmerzhafter wurde es, weshalb der Ring schließlich drauf blieb und er die Sache so zu Ende bringen wollte. Doch dann, als er zum letzten, entscheidenden Schritt ansetzte, als sie sich unter ihm schamlos wand, indes ihr Atem längst ein glutendes Verlangen hauchte und ihr halbgeöffneter Mund und ihr Gesicht, das von einem liebestollen Lächeln verklärt war, wortlos alles sagte, was eine Frau in dieser Situation nur sagen kann, war ihm plötzlich, als sähe er hinter ihrer Maske das Gesicht seiner Verlobten, und das so deutlich, das er darüber erschrak. Damit nicht genug, im selben Momente fühlte er wieder diesen ziehenden Schmerz im Finger, der bald so stark wurde, dass er zu weiterem nicht mehr fähig war.
Natürlich glaubte er an zu viel Alkohol, zog sich an und verließ ungeachtet ihres Gezeters lachend das Zimmer. Danach war er erleichtert, dass nichts passiert war, obgleich er das Ganze später recht komisch fand ... Am Wochenende dann, wieder mit seiner Verlobten zusammen, berichtet sie ihm zu seinem höchsten Erstaunen von ihrem seltsamen Traum. Ihr träumte nämlich letzte Nacht, sie habe ihn in flagranti erwischt und das so real, dass sie aus tiefster Enttäuschung darüber auf ihn zugestürzt sei, um ihm mit Macht den Ring vom Finger zu ziehen. Dabei habe sie gezogen und gezogen, doch es wollte partout nicht gelingen. Sie sei dann verzweifelt aus dem Zimmer gerannt, während er nur gelacht habe usw .... Mein Freund war darüber so perplex, dass er nichts zu sagen wagte. Eine Erklärung dafür hatte er nicht ...
Ich will damit sagen, dass es zuweilen Erscheinungen gibt, die sehr wohl als etwas anderes reflektieren können, als eigenes Erleben. Wie kommt es z.b., das man zuweilen urplötzlich zusammenschrickt und das Gefühl hat, irgendetwas ist passiert. Man weiß nicht, was, fühlt sich aber sehr unwohl, das man liebsten im Boden versinken möchte - und bald darauf erhält man die Todesnachricht eines nahestehenden Menschen. So etwas ist schon oft passiert und tritt immer vornehmlich dann ein, wenn eine besonders enge emotionale Bindung besteht. Natürlich wird so etwas von der Wissenschaft negiert, und doch denke ich, das hier mehr dahinter streckt, als nur Phantasie, und mein Freund war bestimmt kein Phantast ... nur mal zum Nachdenken
:-P
Nachtfalter hat mich dazu animiert (..."Fallst du dir das zutraust"... boah, die Frau hat Chuzpe!..), in die Diskussion einzusteigen. Ich tu's einfach.
'Cyperspace der Phantasie':
Die völlige Gesetzlosigkeit, Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit der Phantasie ist wunderbar und... mehr anzeigen
Nachtfalter hat mich dazu animiert (..."Fallst du dir das zutraust"... boah, die Frau hat Chuzpe!..), in die Diskussion einzusteigen. Ich tu's einfach.
'Cyperspace der Phantasie':
Die völlige Gesetzlosigkeit, Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit der Phantasie ist wunderbar und ermöglicht erst die Ausbildung von 'Künsten'. Doch ist ein übergeordnetes 'Betriebssystem' - um in CCs Bilde zu bleiben - notwendig, sonst stürzt der Rechner ab, oder die Registry müllt sich zu wie die Synapsen bei M. Alzheimer. Die Psychiatrie kann Epen darüber singen. Und die Entstehung der Phantasie ist an die Außenwelt und ihre Reize gebunden, sonst entwickelt sich ein Mensch bestenfalls zum Autisten, oder eher noch zum 'unbeseelten' Herz-Lungen-Präparat.
'Literatur i. C. d. Phantasie':
Volle Zustimmung zu CC.
Aber die Frage der Kunst überhaupt (mein Gott, wie alt ist die schon..?) ist m.E. eine elitäre. Wenn meine Nichte Strichmännchen malt, ist das keine Kunst. Wenn Keith Haring Strichmännchen malt schon (sagt die Kunstelite). Und wenn ein anerkannter Künstler ein Buch schreibt? Beispielsweise der Roman 'A' von Andy Warhol? Es ist ein Kunstwerk, weil Warhol es selbst so definiert hat. (Jetzt ist er die Elite). Trotzdem ist es Mist! (Jetzt bin ich die Elite).
Insofern fällt es mir ebenso schwer nachzuvollziehen, was ein 'Akademischer Maler' ist, wie nachzuvollziehen, wie man Gott studieren kann. Und deshalb wird die Frage, was 'gute' Literatur, Kunst an sich ist, ewig persistieren - und das ist gut so.
Zu Gedankenübertragung folgender Einwand:
Bei der Mess- und Übertragbarkeit von Gehirnimpulsen auf andere "Rechner" befinden wir uns im quantenmechanischen Bereich. Schon durch die Heisenbergsche Unschärferelation ist es bei aller Phantasie schwer vorstellbar, dass eine Übertragung im Sinne von "Welt am Draht" möglich sein wird. Hoffentlich!!!!!!!!
Und zum Schluss noch eine Anmerkung zu Winterschläfer: Mit nichts kann man einen Schlafforscher so in Verlegenheit bringen, wie mit der Frage, warum wir überhaupt schlafen müssen. Es gibt bisher keinen vernünftigen Grund dafür :-)