Die Feist war ihr Schicksal…
Die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland, abgeschirmt von zwei Personenschützern, ging zu Ihrer Limousine, stieg ein und nahm auf dem Rücksitz Platz. In einer der hinteren Ablagen mussten stets original Brandenburger Schokoladen-Pralinen sein, denn, wie die Bundeskanzlerin meinte `damit wenigstens der Gaumen ab und an mal gute Nachrichten bekommt´.
Es war ein trüber und diesiger Morgen. Keiner sagte etwas. Sie fuhren los. Man hörte nur das Geräusch der Reifen auf dem Asphalt, der noch nass war vom Regen der vergangenen Nacht. Das Schweigen war ungewöhnlich. Ungewöhnlicher als sonst.
Die Kanzlerin studierte still ihr olivfarbenes Moleskine auf Termine und handschriftliche Eintragungen. Sie mochte das. `Notizbücher kann niemand abhören, und notfalls ess´ ich es auf´, sprühte es bei guter Laune immer aus dem Mund der Bundeskanzlerin.
Nach einer Weile ruhiger Fahrt räusperte sich die Bundeskanzlerin.
„Sagen Sie mal, das hier ist aber nicht der Weg zum Flughafen…“
Ihre Personenschützer gaben keine Antwort. Ein kurzer Erholungsurlaub stand auf dem Programm. Eine ganze Woche Skiurlaub im schweizerischen St. Moritz. Ihre Maschine wartete auf dem Flugplatz.
Ein leichter Nieselregen setzte ein. Es sah danach aus, als würde es bald wieder stärker regnen. Die Bundeskanzlerin und Ihre Begleiter trugen dicke Mäntel. Ihre kompakten Gestalten ließen den Innenraum der Limousine sehr eng wirken. Draußen kam jetzt noch ein starker Wind auf.
„Fahrer“, sagte die Kanzlerin, „ich glaube, Sie fahren in die falsche Richtung.“
Der Fahrer gab keine Antwort.
Verlag: BookRix GmbH & Co. KG
Tag der Veröffentlichung: 19.01.2016
ISBN: 978-3-7396-3246-9
Alle Rechte vorbehalten