Jakob Klein
(Schokoriegelreihe
Band 4)
Es ging auch mit ohne
Weihnachten 2020
kein Klein-Fiction, sondern der Tatsachenbericht
auch als Taschenbuch erschienen
(ISBN: 978-3-753139-27-2)
Dezember 2020
Copyright © beim Autor
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Lektorat: keines – handgemacht in Deutschland
Umschlaggestaltung: der Autor
E-Mail: jakob.klein@provinzpoet.de
alle Ähnlichkeiten zu realen
Personen sind rein zufällig
keine medizinischen Ratschläge
oder Heilmittel
uns
Willkommen in diesem Buch. Zwar kein dicker Schmöker, aber doch zu lang, um noch innerhalb meiner Schokoriegelreihe zu erscheinen. Und das ist ja in Ordnung, weil jetzt sind ja die Feiertage vorbei. Aber dieses Buch ist quasi der Spiegel zu meinem 4. Band aus der Schokoriegelreihe „Weihnachten 2020 – kein Tatsachenbericht, sondern Klein-Fiction“1. Darin habe ich eine fiktive Geschichte frei von Anekdoten veröffentlicht, in der ich mir vorgestellt habe, wie die Weihnachtszeit sein kann, wenn sonst Nix mehr so ist, wie wir es gewohnt sind. Und ich habe meine Leser dazu aufgefordert, ihre besonderen Erlebnisse in einem Adventstagebuch festzuhalten. Und wenn man andere dazu motivieren will etwas zu tun, empfiehlt es sich, dies auch zu machen. Deshalb gibt es dieses Buch. Weil ich nicht weiß, ob Du das andere Buch auch gelesen hast und vielleicht deshalb zu dem Gedanken kommst, dass das hier jetzt ein Fehlgriff ist, will ich Dich beruhigen. Ich habe den 4. Band der Schokoriegelreihe mit integriert. Du brauchst ihn also nicht extra nochmal kompliziert kaufen oder herunterladen. Dieses Buch ist so aufgebaut, dass jeder Adventstag ein Kapitel bekommen hat. Zuerst kommt die Klein-Fiction-Geschichte und anschließend mein persönlicher Tagebucheintrag. Wie habe ich mir die Adventszeit vorgestellt? Was hat sich tatsächlich dann ereignet? Und es freut mich, wenn Du nun diese besonderen Tage nochmal mit mir nacherlebst und Weihnachten feierst. Hast Du eigentlich ein leeres Gurkenglas?
Die Tür geht auf. Das ist schon Mal ein guter Start in diesen Tag. Das Schokoladenstück will aber nicht so wirklich mir entgegenkommen. Wenigstens eines bleibt wie immer in dieser komischen Weihnachtszeit. Schon als Kind arbeitete ich daran, wie man das kleine Schokoladenstückchen herausbekommt, ohne den ganzen Adventskalender zu zerstören. Nimmt man ihn ab, legt ihn auf die Vorderseite und klopft von hinten drauf, lösen sich alle 23 anderen Stückchen und purzeln beim aufrichten nach unten in dem Karton. Wenn Du dann morgen das zweite Türchen öffnest, guckt Dir nur die leere Form entgegen. Also ein kleines Schälmesser aus der Küche holen und das Schokoladenstückchen vorsichtig an der linken Außenseite heraus hebeln. Klappt immer noch und der Verlust von zwei Schokokrümeln ist verschmerzbar, das Messer kommt in die Spülmaschine. Das Stückchen mit Adventsgesteckrelief in meinen Mund. Vollständig, ich mache keine halben Sachen. Die Schokolade schmeckt auch wie vor dreißig Jahren. Ich könnte mir natürlich einfach mal einen guten, teuren Adventskalender zulegen. Da hat sich das Angebot die letzten Jahrzehnte deutlich vergrößert. Aber da fehlt dann die Erinnerung. Ich hatte immer so einen einfachen, billigen mit kleinen Schokoladenstückchen, die schneller gegessen als herausgeholt waren. Nostalgie. Wenigstens das bleibt. Ansonsten wird dieses Jahr wohl alles anders. Weihnachtsfeiern wurden im Betrieb verboten und im Verein abgesagt. Weihnachtsmärkte werden wohl auch nicht stattfinden. Alles von der Regierung untersagt zu unserem Schutz. Ich bilde mir nicht ein, dass ich es besser wüsste. Komisch ist es trotzdem. Heute dürfen wenigstens die Restaurants und Kinos wieder aufmachen. Weiß gar nicht, was für Filme laufen.
Endlich. Es war soweit. Ich durfte das erste Säckchen öffnen und dazu noch einen Briefumschlag. Dort war ein Foto von meinem Schatzi drin. Von unserem Sommerurlaub. Das waren noch Zeiten. Wobei auch schon komische. Aber wir hatten glücklicherweise ja schon auf Sylt gebucht, bevor der ganze Wahnsinn losging. Glück gehabt. Auch mit dem Wetter. Heute morgen lag etwas Schnee und ich durfte mein Auto frei machen. Im Säckchen waren zwei Schokokugeln. Das entschädigt ausreichend. Cafès, Restaurants, Eisdielen, Theater und so weiter bleiben ununterbrochen geschlossen, Weihnachten soll weiterhin gerettet werden. Auf Arbeit wurden heute die Maskenregeln verschärft. Macht mir nix aus, habe es sowieso freiwillig weitestgehend vorher schon so praktiziert. Weil ich heiße zwar Klein, bin aber schon groß. Ich versuche danach zu handeln, was vernünftig ist. Also meiner Meinung nach. Andere denken anders darüber.
Ein Laster. Was ist daran adventlich? Muss dran denken, morgen mir gleich das Schälmesser aus der Küche mitzunehmen. Gestern auf Arbeit kam man ja zu fast nix. Jeder wollte einem seine Meinung sagen, was er davon hält, dass man wieder Essen gehen kann. Die Kollegen von der Abteilung nebenan sind demonstrativ gleich mal in der Mittagspause losmarschiert. Alle sechs in die Pizzeria. Es gab Calzone als Mittagstisch. Am Nachmittag gab es dann die Diskussion zum Nachtisch, ob das vernünftig sei. Natürlich in meiner Abteilung. Wie soll man da in Ruhe arbeiten? Oder sind die nur neidisch, weil jeder still für sich seine trockenen, selbst geschmierten Pausenbrote essen musste? Weil wir es nicht gebacken bekommen haben, etwas gemeinsam zu machen?
Ein Türchen war offen. Leider keines vom Adventskalender. Der hat ja Säckchen und heute gab es keinen Umschlag. Also auch kein Foto. Aber wieder zwei Schokokugeln und die von gestern habe ich natürlich bereits abgearbeitet. Die sind schon fort. Naja, wahrscheinlich nicht ganz. Hüftenglück wird das genannt. Wobei es auch so einen positiven Nebeneffekt der diesjährigen Maßnahmen bei mir gegeben hat – ich habe tatsächlich mal abgenommen. Über zehn Kilo. Weniger Essen gehen dafür mehr Rad gefahren. Gemütliches Eisdielen waren wir nach meiner Erinnerung auch nur einmal so wirklich, ansonsten immer nur „auf die Hand“ (Altdeutsch für „To go“ – falls Du zu meinen jüngeren Lesern gehörst). Mein Naschverhalten habe ich aber auch diszipliniert abgerüstet. Das ging nicht anders. Am Jahresanfang gingen bei manchen Gürteln nicht nur die Löcher, sondern auch das Leder aus. Aber zurück zum Schock des heutigen Morgens. Das Türchen vom Gefrierschrank im Keller war offen. Also nur so ein bisschen. Habe es auch nur bemerkt, weil ich den Rest Tomatensoße von gestern dort einfrieren wollte. War das jetzt Glück oder Pech? Egal, erst einmal alles notversorgt, so dass die Tür wieder zu ging und heute Abend steht dann die große Abtauparty an. Endlich mal wieder eine Fete.
Muss einkaufen gehen. Der Käse ist alle. Das Brot nicht. Also nur Brote mit Frischkäse. Ziemlich dünn bestrichen - für die Mittagspause. Oder soll ich mir eine Pizza holen? Heute gäbe es Prosciutto mit Pilzen. Könnte natürlich auch mit Ralle zum Döner gehen. So wie früher. Als unsere Welt sozusagen noch normal war. War sie das wirklich? Heute reden wir ständig von der Rückkehr zur Normalität. Das ist unser großes Ziel, dass Mantra. Durchhalten, sich an die Regeln halten, damit wir wieder zur Normalität zurückkehren können. So hieß es immer am Anfang und jetzt auch zwischendurch. Aber können wir das überhaupt noch? Man gewöhnt sich ja schon an einiges. Und einiges hat man sich schon abgewöhnt, wie die Mittagspausen mit Ralle. Ich mach mir die Brote, sonst werden die noch trockener. Und das Schälmesser hatte ich natürlich nicht bereit gelegt, jetzt habe ich Schokolade unterm Fingernagel und ein Schaukelpferd im Mund.
Ein Frühaufstehmorgen. Vor sechs Uhr. Draußen alles dunkel. Das ist normal in dieser Jahreszeit. Wie Skiurlaub, wenn man Ski fährt. Nachdem wir, also die Deutschen und die Italiener schon die Pisten zu lassen, haben jetzt auch die Öschis zwar nicht ganz dicht, jedoch das Urlauben bei sich durch eine zehntägige Quarantäne davor richtig schwierig gemacht. Bei den Schweizern geht es noch. Also das Skifahren. Wahrscheinlich für sehr gutes Geld. Aber man konnte ja dieses Jahr sowieso noch nicht soviel davon ausgeben. Keine teuren Musical- oder Konzertbesuche, weniger Essen gehen und wenn man weniger Leute trifft und besucht, braucht man auch nicht so viele Mitbringsel. Heute hatte ich jedenfalls wieder ein Foto mit im Adventskalender und zwei andere Schokokugeln als gestern, oder wie gestern – ich lerne das nie. Egal, nach der Arbeit muss ich noch einkaufen gehen. Käse haben wir noch genug da, aber bei einem Laden gibt es heute ein Angebot für ein Weihnachtsgeschenk für eines unserer Kinder, da schnappe ich zu. Wenn es den Artikel noch gibt
Verlag: BookRix GmbH & Co. KG
Texte: Autor
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Lektorat: Autor
Tag der Veröffentlichung: 01.01.2021
ISBN: 978-3-7487-7012-1
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