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Der einsame Tod

Sie sitzt nur da und wartet auf den Tod,
die Tage geh´n und kommen immer wieder.
Sie blickt ins Morgen- und ins Abendrot,
der Plattenschrank spielt stets die gleichen Lieder.

Sie schaut das Bild, die alten Hände beben,
die Schrift der Zeitung ist ihr viel zu klein.
Ein Korb mit Pillen steht am Tisch daneben,
seit vierzig Jahren ist sie nun allein.

Ihr Mann starb früh, der Krebs hat ihn genommen,
sie blieb allein und war auch meist gesund.
Doch Kinder hat sie leider nie bekommen,
nur einer blieb ihr noch, ihr kleiner Hund.

Er blickt sie an mit seinen schwarzen Augen,
als wollt´ er sagen, geh mit mir hinaus,
doch dazu ihre Beine nicht mehr taugen,
sie schleppt zur Tür sich hin und lässt ihn raus.

Wie lange noch, so denkt sie sich im Stillen
und sie genießt es, dies idyllisch Bild.
In Gottes Hand liegt es, nach seinem Willen,
soll´s nun gescheh´n. Sie stirbt und lächelt mild.


Der Tod des Einsiedlers

Ich bin allein auf Gottes Erde,
bin dran gewöhnt zeit meines Lebens.
Doch wenn ich einmal sterben werde,
hoff auf den Grabstein ich vergebens.

So werde ich ihn selbst errichten,
auch eine Inschrift eingravieren,
vielleicht ’nen schönen Vers mir dichten,
Zeilen des Danks an mich verlieren.

Ich war in meinem ganzen Leben
Ein fleißiger und guter Mann,
stets hilfsbereit und Gott ergeben,
von dem man Gutes sagen kann.

Bin ich einst tot, seh ich von droben
den Grabstein einsam in der Öde.
Wer, außer mir, würde mich loben?
Wer hält für mich die Grabesrede?

Auf meinem Grabstein sitzt die Taube,
putzt sich ihr weißes Federkleid
in stiller Andacht, ja ich glaube,
ein Engelein nimmt sich die Zeit.

Ach Engelein, Du gibst mir Frieden,
mein Herz zu Dir hernieder strebt.
Du hast allein mich nicht gemieden.
Ich habe nicht umsonst gelebt.





Matratzengruft

Die Welt, sie sieht hier anders aus.
Die Wand vor mir ist kahl.
Schau ich zum Fenster jetzt hinaus,
dann hab ich keine Wahl.

Da drüben gibt’s nicht viel zu sehn,
nur Fenster in den Wänden.
Manchmal seh ich dort Menschen stehn.
Sie winken mit den Händen.

Seh ich zurück auf meine Uhr,
denk ich, die Zeit steht stille.
Dann hör ich Schritte auf dem Flur,
die Schwester bringt ´ne Pille.

Von drauß‘ hör ich der Turmuhr Klang,
dem ich hier stündlich harre.
Dran messe ich der Erde Gang.
Um mich herum nur Starre.


Fast hilflos lieg‘ ich, wie ein Kind,
mit Schläuchen und Kanülen,
und int’ressiert seh‘ ich den Wind
mit der Gardine spielen.

Die Feuchtigkeit liegt in der Luft,
sie geht durch Mark und Bein.
Ich lieg‘ in der Matratzengruft
und wickle mich fest ein.

Der Regen plätschert ins Gemüt,
der Wind rauscht in den Zweigen.
Wo einst vor’m Haus die Rose blüht,
will sich kein Grün mehr zeigen.

Schon ist er zum Orkan geworden,
mit eis’gem Maule bläst der Wind.
Bringt seine Boten aus dem Norden,
die schon vermischt mit Hagel sind.


Und Tag und Nacht, und Nacht und Tag,
es gibt hier kein Entkommen,
und ungehört verweht die Klag‘,
der Geist ist wie benommen.

Untätigkeit ist eine Qual.
Die Ruh‘ zerrt an den Sinnen.
Die Pappel draußen ist schon kahl.
Wie lang bin ich schon drinnen?

Viel länger halt ich’s nicht mehr aus;
Die Hoffnung darf nicht schwinden.
Laßt mich schnell in die Welt hinaus,
die Krankheit überwinden.

Dort draußen wartet alle Freud‘,
die Liebe und ein Herz.
Vorbei sind Bitterkeit und Leid,
vergessen schnell der Schmerz.


Trostlos

Die Landschaft rast an mir vorbei.
Ich schaue aus dem Fenster.
Als ob die Welt ein Moloch sei,
Fabriken, wie Gespenster.

Sie stehen da aus Rost und Stahl,
Rauchschwaden weh’n gen Himmel,
darunter fließt ein Bächlein schmal,
nach Moder riecht’s und Schimmel.

Verfallne Hütten stehn am Rand,
die Stege sind gebrochen,
verschiedene sind abgebrannt,
das hab ich noch gerochen.


Und weiter tragen die Geleise
den Zug, der fährt ins Nirgendwo.
Ich glaub, am Ende dieser Reise
da frag ich mich, wo bin ich, wo?

Ich war verliebt, ich war so jung,
die Welt war gut und schön.
Ich hab’ in der Erinnerung
Nur grün und gold geseh´n.

Doch meine Reise zeigt mir nun,
sie ist nur braun und grau.
Ich frage mich, was soll ich tun?
Ich werd` daraus nicht schlau.

Ich möcht` so gerne glücklich sein,
die Welt in Farben sehn.
Ich stell mir vor, ich wär noch klein,
da war die Welt noch schön.


Inneres
von Leonore Enzmann und Cornelia Warnke

Trauer
durchwachte schwärze
in tiefe gegossen
rot meiner träne Flug
Melancholie

Freundin
steh auf
trockne die Tränen
bin für dich da
Umarmung

danke
rote träne
werd zum Regenbogen
leg dich um uns
tröstend


Trost
zärtliche Berührung
Worte des Verstehens
bauen die Seele auf
Freudentränen

Freudentränen
tröstendes nass
gebadet in Freundschaft
durch dick und dünn
Zusammenhalt


Impressum

Texte: © Leonore Enzmann 2009
Tag der Veröffentlichung: 30.07.2009

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