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Kapitel 1




Die Sonne ging langsam unter. Lucas lag alleine auf einem Hügel in der Nähe eines kleinen Waldes und blickte verträumt in den Himmel. Er dachte daran seine Heimatort Kavill irgendwann einmal zu verlassen, um die Welt zu sehen. Die Sonne war dabei unter zugehen. Hastig sprang Lucas auf und er ärgerte sich, weil er schon wieder vor sich hingeträumt hat. Dabei war er erst kurz nach Mittag losgezogen, weil sein Vater ihn darum bat Holz zu holen. Er wollte die Scheune vergrößern, um Platz für das neue Pferd zu schaffen. Als er bei dem Wagen mit dem Holz ankam, schnappte er sich die Zügel des Zugtiers und ging los. Lucas wollte keine Zeit mehr verlieren und ärgerte sich abermals über sich selbst. Grade als er den Wald verließ, erblickte er mächtige Rauchsäule in der Ferne. Er wusste sofort, dass genau an dieser Stelle sein Heimatort lag. Eilig band er den Wagen ab, stieg aufs Pferd und ritt sofort los. Die Gegend in der er lebte bestand größtenteils aus weiten Wiesen und kleinen Wäldern. Das Pferd war eindeutig nur als Zugtier zu gebrauchen, da es nicht sonderlich schnell war. In diesem Moment war es aber besser wie gar kein Pferd. Als er immer näher kam sah Lucas, dass es fast im gesamten Dorf gebrannte hatte. An der Pforte angekommen sprang er vom Pferd ab und rannte los. Er kam grade ein paar Meter weit als er abrupt stehen blieb. Sein Herz hämmerte gegen seine Brust und ihm stieg der Geruch von verbranntem Fleisch in die Nase. Ein Gefühl von Übelkeit machte sich in ihm breit. Vor ihm auf der Straße lagen die leblosen Körper der Dorfbewohner. Was zu Hölle ist hier nur passiert? Er ging langsam auf einen der Toten zu und fiel neben ihm auf die Knie. Lucas drehte den Körper um, sodass er das Gesicht erkennen konnte. Die Augen, weit aufgerissen, starrten in den Himmel und obwohl das gesamte Gesicht mit Blut verschmiert war, konnte er erkennen wer es war. Ryan. Sein bester Freund. Er war tot. Lucas hatte Tränen in den Augen. Ryan, sein bester Freund, wurde brutal ermordet. Aufgeschlitzt wie ein Fisch. Er verstand einfach nicht was hier passiert war. Mit seinen Fingern strich er über die Lider seines Freundes, um sie zu schließen. Da kamen ihm seine Eltern und sein Bruder in den Sinn. Sein Herz schien auszusetzten. Er stand auf und rannte los. Auf dem Gesamten Weg zur Gaststätte seiner Eltern lagen die Leichen auf der Straße verteilt. Er hoffte, dass seinen Eltern nichts geschehen ist. Doch diesen Gedanken verwarf er gleich wieder, weil es ihm bei diesem Bild des Grauens, das sich ihm bot, unmöglich erschien. Bei dem was von der Gaststätte übrig geblieben ist rief er nach seinen Eltern. Nichts. Nur das Geräusch des Feuers, das sich noch über die Reste der Häuser hermachte. Lucas lief um die Ruine herum und rief immer wieder nach seinen Eltern. Nichts. Nichts ergab einen Sinn, Wer war nur zu so etwas fähig? Und warum? Wäre er doch nur früher zurück gekommen. Das Haus seiner Eltern. Dieser Gedanke drängte sich in den Vordergrund. Das Haus lag etwas außerhalb - versteckt in einem kleinen Wald. Also rannte Lucas los, in der Hoffnung, dass seine Eltern sich vielleicht retten konnten. Die Sonne war mittlerweile untergegangen und somit hatte er Schwierigkeiten im Dunkeln zu dem Haus zu finden. Er blieb stehen und sah aus sicherer Entfernung, dass im Haus Licht brannte. Eine Woge der Erleichterung durchfuhr seinen Körper. Seine Eltern hatten überlebt! Nichts ahnend ging Lucas auf das Haus zu. Die Tür lehnte nur leicht an. Vorsichtig drückte er die Tür auf. Er hörte leise Stimmen. Stimmen die er nicht kannte. Sehr bemüht keine Geräusche zu machen, zog er das kleine Messer aus seinem Gürtel und trat ins Haus ein. Er befand sich im Vorzimmer. Auf der rechten Seite war das Schlafzimmer seiner Eltern, geradeaus befand sich der Wohnraum und links befanden sich die Zimmer von ihm und seinem Bruder Benni. Die Stimmen kamen aus dem Wohnraum. Lucas schlich sich näher an die Tür heran. Jetzt konnte er die Stimmen deutlicher hören. >> Und du bist sicher, dass er nicht im Dorf war? << wollte eine der Stimmen wissen. Zweifellos ein Mann.
>> Wollen wir es hoffen. Sonst sind wir alle verloren. << sagte die andere Stimme, die zu einer jungen Frau gehörte. >> Er sollte Holz holen. << sagte die sehr vertraute Stimme. Sein Vater war am leben! Lucas stieß die Tür auf und trat in den Raum. Zwei Fremde knieten vor seinem Vater, der auf dem Boden lag und sahen ihn erschrocken an. Die beiden Fremden sprangen auf und die kleinere Gestalt wollte grade auf ihn zu gehen.
>>Vater! Was ist hier nur passiert? Das Dorf ist abgebrannt und wo ist Mutter? Was ist mit Benni? << Lucas kniete neben seinem Vater und erkannte jetzt erst, dass er schwer verletzt war. Sein Vater griff nach seiner Hand und drückte fest zu. Er schien starke Schmerzen zu haben. >> Lucas mein Junge. Ich bin so froh dich unbeschadet zu sehen.“ << Die Stimme seines Vaters klang schwach und er hustete Blut. >> Was ist passiert? Wer hat dir das angetan? << wollte Lucas wissen. >> Das ist jetzt unwichtig mein Junge. << Lucas verstand nicht recht.
>> Und wo sind Mama und Benni? << Seinem Vater kamen Tränen in den Augen. Lucas musste die Antwort nicht hören und zu wissen was passiert war. >> Hör zu mein Junge. << sagte Lucas‘ Vater schließlich.
>> Du musst sofort von hier verschwinden. << Lucas verstand nicht ganz. >> Aber was ist denn nur passiert?! <<
>> Das werden wir dir alles noch erklären. << sagte der fremde Mann
>> Aber zunächst müssen wir weg von hier und einen sicheren Unterschlupf finden. << Lucas sah den Fremden an, konnte aber sein Gesicht nicht genau erkennen da er eine Kapuze trug.
>> Wer seid ihr überhaupt? << fragte Lucas. Diesmal wandte sich die fremde Frau an ihn >> Wir haben keine Zeit für Fragen. Es ist ein langer Weg zurück und wir sollten sofort aufbrechen. << Das verwirrte ihn. >> Was? Wohin..? Ich ver.. << Lucas Vater unterbrach ihn.
>> Mein Junge.. Du musst von hier verschwinden. Es bleibt nicht mehr viel Zeit. << Mit jedem Wort wurde seine Stimmt leiser bis es nur noch ein leises Hauchen war. Lucas sah seinen Vater an. Sein Blick war starr an die Decke gerichtet. Sein Körper war wieder völlig entspannt. Tot. Er ließ die Hand seines Vaters zu Boden gleiten.
>> Vater… << mehr brachte er nicht raus. Die Tränen liefen ihm über die Wangen. Seine Arme hingen schlaff neben seinem Körper. Er bekam nicht mit das die Fremden mittlerweile neben ihm standen. Lucas spürte nur, wie sie ihn bei den Armen packten und ihn hoch zogen. Der große Fremde legte ihm seine Hand auf die Schulter. >> Es tut uns leid, Lucas. << sagte er mit seiner tiefen Stimme. >> Pack schnell ein paar Sachen zusammen. Wir müssen los. << Ganz abwesend ging Lucas in eine Ecke des Zimmers und zündete eine Kerze an. Er verließ das Zimmer und ging in das Zimmer seines Bruders. Neben dem Bett stand ein Stuhl. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass sein Bruder und er seinem Vater dabei halfen ihn zu bauen, als sie klein waren. Nun waren sie tot. In Gedanken versunken ging er zu dem Stuhl und nahm den Rucksack, der auf ihm lag. Er öffnete den Schrank und nahm einen schweren schwarzen Reiseumhang heraus. Es war der Umhang seines Bruders. Er hielt kurz inne und betrachtete ihn dann legte er sich den Umhang um. Lucas schreckte auf als er von Draußen Geräusche hörte. Er ging zurück in den Vorraum wo die beiden Fremden im Dunkeln auf ihn warteten.
>> Mach das Licht aus. << flüsterte die Frau.
>> Was ist denn los? << fragte Lucas. >> Sie sind hier. Hat das Haus eine Hintertür? << fragte der Mann. >> Nein. Nur die eine Tür. << er deutete auf die Tür durch die er gekommen war. Er sah die beiden misstrauisch an und löschte dann die Kerze mit Daumen und Zeigefinger. Am Arm wurde er ins Freie gezogen. Vor dem Haus standen ein paar Männer. Sie trugen alle einen dunkel blauen Waffenrock. An einem breiten Gürtel war auf der linken Seite ein Schwert befestigt. Auf der anderen Seite war eine Axt in den Gürtel eingehakt. Fast gleichzeitig griffen die Männer nach dem Heft und zogen das Schwert aus der Scheide. Die Frau schob Lucas hinter sich. Die Fremden nahmen ihre Umhänge ab und Lucas sah, dass sie nicht weniger gut bewaffnet waren wie die Männer. Zum ersten Mal konnte er die beiden richtig betrachten, wenn auch nur von hinten. Der Mann hatte kurze braune Haare - an den Seiten schon leicht ergraut. Er trug einen ärmellosen dunkelgrünen Waffenrock. Seine Arme waren sehr muskulös. An einem schwarzen Gürtel war ein Schwert befestigt. Die Hose war ebenfalls schwarz genauso wie die robusten Stiefel. Die Frau war genauso gekleidet allerdings minderte das in keiner Weise ihre Weiblichkeit. An Stelle eines Schwertes trug sie an ihrem Gürtel mehrere kleine Wurfmesser und an den Außenseiten ihrer Stiefel trug sie je ein Sai. Die beiden wechselten einen kurzen Blick.
>> Ich bin dieses Mal dran. << sagte der Mann. Die Frau seufzte, verlagerte dabei ihr Gewicht auf die linke Seite und verschränkte die Arme.
Er ging die eine Stufe runter und stand nun auf dem Waldboden. Bereit zum kämpfen. >> Tötet sie alle! << rief einer der Männer und darauf stürmten sie los. Lucas zog sein Messer und wollte dem fremden zur Hilfe eilen aber er wurde von der Frau fest gehalten. >> Er schafft das schon. >> Er blieb stehen und sah sie an >> Aber wir müssen ihm doch helfen! <<
>> Nein. << sagte die. Ein paar Männer lagen schon auf dem Boden und der nächste ließ nicht lange auf sich warten. Dem letzten rammte er sein Schwert bis zum Heft in den Bauch. Er hielt ihn am Kragen fest. >> Wart ihr die einzigen oder sind noch mehr von euch hier in der Gegend? << Dem Mann lief Blut aus dem Mund und er antwortete ihm nicht. Er ließ ihn los und der Mann fiel zu Boden. Er wischte das Blut von seinem Schwert an dem Toten ab und steckte es zurück in die Scheide. Die Frau ging in seine Richtung und beide fingen an die Toten zu durchsuchen. >> Lucas, pack ein paar Sachen zusammen. Wir müssen jetzt wirklich los. Mein Name ist übrigens Fynn und das ist Jenna. << Wortlos drehte Lucas sich um und ging zurück ins Haus. Er verstand gar nichts mehr. Ryan war tot. Seine Eltern waren tot. Sein Bruder war tot. Einfach alle die er gekannt hatte waren tot. Warum nur? Wäre er nur früher zurück gekommen, wäre er jetzt bei seiner Familie und bei seinen Freunden. Er ging in den Wohnraum und blieb in der Tür stehen. Den Blick auf seinen Vater gerichtet. Langsam ging er auf ihn zu und ließ sich nochmal neben ihn auf die Knie fallen. In Gedanken sprach er ein Gebet für seine Familie und all die anderen Dorfbewohner. Dann stand er auf und ging zu einer Truhe rüber, die neben der Tür stand. Er öffnete sie und kramte ein wenig rum. Er nahm eine kleine Holzfigur in die Hand, die sein Vater geschnitzt hatte. Sie stellte seine Mutter dar. Er steckte sie in die Tasche und ging zur Kochstelle. Alles was er an Vorräten finden konnte packte er ein. Immerhin wusste er nicht wie lange sie unterwegs sein würden.


Fortsetzung folgt...


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Tag der Veröffentlichung: 29.06.2011

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