3. Kapitel: Gerüchteküche
Am nächsten Tag wachte ich viel zu spät auf, denn ich hatte vergessen, meinen Wecker zu stellen. Müde und verschlafen lief ich ins Bad, und machte mich teilweise fertig, ich aß nichts, und da ich meinen Bus sowieso schon verpasst hatte fuhr ich mit dem Fahrrad. Gerade noch rechtzeitig kam ich. Alle Schüler glotzten mich an. Die Fünftklässler, die Neuntklässler und auch die aus der Oberstufe. Ich ließ mich dadurch aber nicht aus der Fassung bringen und eilte in meine Klasse. Dort setzte ich mich an meinen Platz. Aber was war mit Joe und Kate, waren sie beide krank oder warum standen keine Taschen neben mir?
Verwirrt lief ich zu Patrik und Miley, die sich gerade unterhielten. „Oh nein, Achtung, die Irre kommt!“, sagte Miley und Patrik und sie liefen weg. Ich ging kopfschüttelnt weg. Die erste Stunde begann. Mrs Paul begrüßte uns wie jeden Montag und wir beteten. Danach brach wie immer das allgemeine Gemurmel aus. Nun eilten Joe und Kate, die zehn Minuten zu spät waren, ins Klassenzimmer. Ich lächelte, aber die beiden setzten sich nicht neben mich, sondern auf die unbeliebten Plätze in der ersten Reihe. Was war denn der Grund dafür? Was sollte das? Als ich grade über diese Merkwürdigkeiten nachdachte, rief mein Lehrer: „Na Lissy, denkst du grade darüber nach, ob nicht nur Spiegel sondern auch Tafeln sprechen können?“ Darauf gab ich keine Antwort. Das sogar die Lehrer davon wussten. Mir kamen die Tränen, und weil ich nicht vor allen Klassenkameraden losheulen wollte, fragte ich Mr. Paul, ob ich auf die Toilette gehen dürfte, worauf er antwortete: „Darfst du gerne machen, wenn du dein Spiegelbild fragen willst, was du in dieser Situation tun sollst, bitte.“ Er lachte, und die ganze Klasse mit ihm. Ich lief über den Flur, die Treppen herunter und dann wieder zwei Treppenstufen hoch, links, geradeaus und wieder rechts, in die Eingangshalle und raus aus der Tür. „So, geschafft!“, rief ich, als hätte ich gerade wie ein tapferer Ritter einen laut zischenden und angriffslustigen Drachen erlegt. Schnell traf die Realität bei mir ein, und ich war in meinen Trotzzustand zurückgekehrt. Niemals wollte ich mehr in die Schule zurück. Ich rannte über ein Feld, durch einen Wald, drei Dörfer weiter. Als ob das etwas bringen würde. Ich guckte auf die Uhr. 11:30 Uhr. Als ich vier Dörfer weiter gerannt war, drehte ich mich um und machte mich auf den Rückweg. Zuhause angekommen waren meine Glieder taub. Meine Augen wollten auch zufallen, obwohl ich so lang geschlafen hatte.
Tag der Veröffentlichung: 16.05.2009
Alle Rechte vorbehalten
Widmung:
Meiner Familie & meinen Freunden.