1.Kapitel: Erste Erscheinungen
Ein ganz gewöhnlicher Freitag brach an, mein Wecker klingelte und ich knallte mit meinem Kopf an den Wandschrank. Aber irgendwas lag in der Luft. Während ich aufstand rieb ich mir die werdende Beule und war genervt von meiner eigenen Dusseligkeit. Ich machte mich auf in die Küche und frühstückte. Meine Mutter hatte mir wie immer Schokopfannkuchen gemacht.
Nach dem Frühstück machte ich mich auf ins Bad und sah durch meine müden, verschwommenen Augen in den Spiegel. Plötzlich hörte ich einen lauten Atem hinter mir. Ich sah noch mal in den Spiegel. „Alles gut, Lissy, alles gut.“, sagte ich laut vor mich hin, während ich erleichtert war, dass niemand hinter mir stand.
Doch was war das?! Ein lauter Schrei entfuhr mir als ich eine eiskalte, schweißige Hand an meiner Schulter spürte. Bevor ich mich umdrehen konnte sprang die Badezimmertür auf und meine Mutter sah mich besorgt an: „Schatz, was ist los?“ „Ich, ähm, schon gut, ich habe einen Mitesser im Gesicht.“, sagte ich nach einer kurzen Denkpause. „Dafür schreist du aber ziemlich laut. Wahrscheinlich gehst du heute mit irgendjemandem aus, aber das geht mich ja nichts an, der Pickelstift liegt im Schrank.“ Danke, ich gehe nach der Schule noch mit Jennifer in die Stadt.“ Darauf ging sie. Als Mum weg war vergewisserte ich mich, dass niemand außer mir noch im Bad war. „Du bist in großer Gefahr“, stöhnte eine Stimme. Ängstlich rannte ich aus dem Bad. Ich hörte Schritte hinter mir aber so oft ich mich auch umdrehte, sah ich niemanden. „Lass mich in Ruhe!“, stieß es aus mir heraus, ohne an meine Mutter zu denken zu denken, die kurz vor mir saß. „Bist du dir sicher dass ich dich nicht in die Klinik einweisen muss?“, scherzte meine Mutter, worauf ich unverständlich „Nein!“ antwortete. „was?“, Mama guckte mich merkwürdig an und ging zurück in die Küche. Nun hatte ich nur noch eine letzte Vision: „Ich habe dich gewarnt!“ Ich hatte Angst und ich ging mit schlotternden Knien zur Garderobe.
Dieses ich habe dich gewarnt ging mir nicht aus dem Kopf. Ich fühlte noch den eisigen Handabdruck, hörte die Stimme, das heftige Atmen, die harten Schritte. Wer oder was konnte es sein? Und was meinte er/sie/es damit, dass ich in großer Gefahr wäre? Fragen über Fragen,… Auf dem Weg zum Schulbus ging ich wie immer durch die Secondstreat. Sie war sehr gruselig, darum stellte ich mich hier auf die große Gefahr ein. Aber bis auf einen alten Mann, Mr. Just, der in dieser Gasse Hauste, war nichts los. Auch auf dem Weg zur Schule, in der Schule und beim Nachhauseweg passierte mir nichts, die Vision erschien ebenfalls nicht.
Zuhause angekommen fühlte ich mich sehr sicher. Müde watschelte ich zum Telefon, um Miley zu bitten mich abzuholen, da wir ja zusammen in die Stadt gehen wollten. Zum Glück kam sie und wir gingen shoppen. Ich vergas alle Illusionen und glaubte, dass ich wegen meiner Müdigkeit mir etwas eingebildet habe. Abends lag ich in meinem Bett und las ein Buch über solche Einbildungen, die vor mir auch andere hatten. Plötzlich klopfte es an meinem Fenster, was ich sehr merkwürdig fand, weil ich ja im fünften Stock wohnte. Also stand ich auf und guckte zum Fenster, wo aber - wie zu befürchten – keiner war. Aber plötzlich spürte ich einen stechenden, kalten Schmerz an meinem Rücken. Ich drehte mich um, sah aber nur einen blauen Handabdruck. Ich konnte mich nicht beherrschen, und schrie vor lauter Schreck los: „Ahhhh!“ Weil ich wusste, dass meine Mutter jeden Augenblick ins Zimmer stürmen würde, und ich nicht wollte, dass sie den Handabdruck zu Gesicht bekommt, stülpte ich mir ein auf dem Boden liegendes T-Shirt über den Kopf, schmiss mich aufs Bett und riss die Decke über mich. Gerade als ich mich in die Albtraum-Gehab-Schrei-Pose gestellt hatte, sprang die Tür auf und meine Mutter rannte besorgten Blickes zu mir: Was ist denn los? Hast du von einem sprechenden Mitesser geträumt?“ Sie konnte es selbst in dieser Situation nicht lassen, zu scherzen. Auch wenn sie nicht wusste, dass ich diese Illusion hatte, auch mit einem Albtraum sollte man nicht scherzen! „Ich weiß nicht mehr, was ich geträumt habe, es war nur irgendwas Schlimmes.“, sagte ich und schnappte nach Luft. Ich geh wieder ins Bett, wenn du was brauchst, du weißt ja, wo ich bin.“, gähnte Mama zu mir. „Mum, ich bin nicht mehr 13!“, meine Stimme klang heiser. „Gute Nacht“. Die Tür fiel zu und ich schlief ein, aber in dieser Nacht wachte ich
ständig auf. Um mich zu beruhigen ging ich in die Küche, öffnete den Kühlschrank und holte die Milch heraus. Da hörte ich wieder die Stimme:
„Du bist in GROSSER GEFAHR, aber ich habe dich ja gewarnt, du solltest im Haus bleiben, da bist du am sichersten.“Ängstlich fragte ich, wer hinter der Stimme steckte und schloss den Kühlschrank.Ich wiederholte meine Frage, aber keine Antwort kam. Ich legte mich wieder ins Bett und wartete auf weitere Erscheinungen, aber nichts kam. Keine Stimme, keine kalte Hand, nichts. Ich fühlte mich auf unverständliche Weise sehr geborgen, bei dieser wundersamen Stimme, die ich aus irgendeinem Grund vermisste.
Tag der Veröffentlichung: 18.04.2009
Alle Rechte vorbehalten
Widmung:
Meinen Freunden und meiner Familie.