Cover

Alles hat einen Anfang...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 1

 

Es ist mal wieder ein heißer Tag, wie eigentlich jeder andere Tag auch hier in Los Angeles. Die Sonne brennt erbarmungslos von einem blauen Himmel und ein salziger Duft hängt in der Luft.

Meine Augen wandern von einem Tisch zum nächsten und die Motorräder meiner Jungs, die immer näherkommen, klingen wie Musik in meinen Ohren, ich drehe mein noch kaltes Bier in der Hand hin und her.

Ein leichter Geruch von Orange dringt in meine Nase und ohne es eigentlich zu wollen drehe ich meinen Kopf in die Richtung, woher der Geruch kommt, und mein Blick haftet an einer Frau fest, die eigentlich so gar nicht meinen Beuteschema entspricht.

Sie ist nicht schlank, aber auch nicht dick, so etwas dazwischen, sie hat kurze, wenn ich richtig sehe, rötlich, gefärbte Haare. Ich fahre mit meinen Daumen über die Unterlippe und nippe an mein Bier.

Ich schnaube innerlich, weil ich einfach nicht begreife, warum ich mein Blick von  der Frau nicht richten kann, denn immerhin bin ich mir ganz sicher, dass ich sie nie ansprechen werde. Sie trägt ein schwarzes Shirt und eine blaue kurze Jeanshose und graue Turnschuhe.

In ihrer Hand hält sie ein Glas Wasser fest und ich habe das Gefühl als würde sie auf jemand warten. Vielleicht auf eine gute Freundin? auf ihre Schwester? auf ihren Bruder? auf ihre Eltern? oder vielleicht auf ihren Freund??... Freund....ich merke das mir dieser Gedanke ganz und gar nicht gefällt und mir bitter aufstößt, aber warum fühle ich das?

Meine Finger krallen sich um meine Flasche und ein bitterer Geschmack bildet sich in meinen Mund.

"Hey Boss" John mein bester Freund legt seine Hand auf meine Schulter und drückt sie leicht zur Begrüßung, nickt der Kellnerin beiläufig zu, die am Rande der Tische steht und setzt sich dann zu mir.

Warme und zarte Frauenhände mit langen unechten roten Fingernägeln streifen über meine Haut am Unterarm, eigentlich genieße ich immer ihre Berührung aber dieses Mal übermannt mich eine unangenehme Gänsehaut, die sich über meinen ganzen Körper verteilt. "Hey Sheila". Sie zieht den Stuhl bei Seite und setzt sich neben mich. Auch meine Jungs setzten sich nach und nach an den Tisch und bestellen sich ein kühles Bier.

Ich atme tief durch und versuche Sheila zu ignorieren vor allem ihr billiges Parfüm, das nach Rosenwasser und Vanille riecht.

Aber leider ist das einfacher gesagt als getan, denn sie drückt immer wieder ihr Knie an mein Bein und versucht Kontakt mit mir zu halten. Ich schnaufe innerlich und atme mehrmals tief durch. Mein Blick bleibt aber weiterhin auf der jungen Frau am Tisch gegenüber haften, die noch immer allein an ihrem Tisch sitzt und hin und wieder auf ihr Handy schaut.

Ich muss schon schmunzeln, wenn sie wirklich einen Mann erwartet, dann hoffe ich mal, dass sie ihn den Laufpass gibt.

"Richard??" John schaut mich an "Alles gut?". Ich nehme einen tiefen Schluck aus meiner Flasche "Ja, warum nicht".

"Naja, weil du seit Minuten die Frau gegen über anstarrst" sagt John dümmlich grinsend und streift sich eine braune Haarlocke hinters Ohr.

Neben mir kichert Sheila "Die sollte erst mal ordentlich Abspecken, bevor ein Mann die anfassen wird", ohne es eigentlich zu wollen schau ich Sheila ernst an und sage drohend "Lass sie in Ruhe sonst". Ich halte inne und erschrecke mich selbst über meine schroffe Art und das was ich gerade gesagt habe, ich atme tief durch als ich Sheilas Blick sehe. "Ist ja gut" sagt sie nach meinem Geschmack etwas zu zickig, aber ich ignoriere es soweit es geht. 

John schüttelt seinen Kopf und ich nehme einen weiteren tiefen Schluck aus meiner Flasche stelle die dann ab und verschlinge meine Hände zusammen.

Ich kann nicht anders als die Frau anzusehen, sie ist wirklich nicht mein Typ, auf gar keinen Fall, die Frauen, die sonst in meinem Bett landen sind immer sehr schlank, haben immer und ohne Ausnahme lange Haare und einen üppigen Busen, aber etwas an ihr zieht mich an, ich würde sie gerne sprechen hören, wie ihr Character wohl ist und genau das nervt mich gerade an mich selbst.

John steht schließlich nach seinem letzten Schluck auf uns schaut mich an "Komm wir müssen langsam los" mürrisch nicke ich nehme ebenfalls meinen letzten Schluck und stelle die leere Flasche auf dem Tisch, ich halte aber inne als ich sehe, wie die junge Frau plötzlich aufsteht und jemanden zu winkt, ich folge ihren Blick und sehe wie ein gutaussehender Surfer Boy auf sie zu geht. Mein Herz zieht sich krampfhaft zusammen und meine Finger krallen sich so fest um die Bierflasche das meine Finger Knöchel weiß hervortreten. Sheila legt ihre Hand auf meine Schulter, doch ich ziehe meine Schulter Zähneknirschend weg und atme tief durch.

Erst dann lass ich die Flasche los und folge John und Sheila zu unseren Harleys, behalte die junge Frau aber immer noch im Auge, ich frage mich, ob sie mich bemerkt hat.

Ich weiß noch nicht einmal warum es mich so verdammt stört das dieser junge Bursche sich zu ihr setzt, was will er von ihr oder was will sie von ihm, wehe er tut ihr weh. Am liebsten würde ich ihm den Hals um Drehen und ihm sagen das er seine Surfer Finger von ihr lassen soll. John schaut mich nur grinsend aber Kopf schüttelnd an und startet seine Maschine.

"Also Boss entweder kommst du jetzt oder die gehts zu ihr hin und fragst nach einem Date, das ist ja kaum zu ertragen".

Neben mir zieht Sheila die Luft scharf ein und noch bevor sie was sagen kann, bringe ich sie mit einer Handbewegung zum Schweigen. Steige dann auf meine Maschine und starte meine schwarze Harley, laut röhrt der Motor unter mir und ich folge John. Und plötzlich bereue ich es nicht aufs Johns Rat gehört zu haben. Ich frag mich selbst was mit mir los ist und verstehe mich selbst nicht mehr.

 

 

 

Ich frage mich, warum der Boss der Pantheras mich ununterbrochen anstarrt, klar versuche ich mir nix anmerken zu lassen aber der Kerl jagt mir eine Gänsehaut nach der nächsten über den Körper. Ich versuche mich auf das zu Konzentrieren was vor mir liegt und auf mein Glas Wasser in der Hand sonst würde ich wahrscheinlich noch durch Drehen.

Richard schaut atemberaubend aus, sein Körper ist braun gebrannt und muskulös, sein schwarzes Panther Tattoo glänzt in der Sonne, genau wie sein langes Rabenschwarzes Haar was er mit dem rot schwarzen Tuch der Gang zusammengebunden hat. Jeder hier kennt den 40 Jahre alten Richard Paxxton, seine Härte aber auch seine Gerechtigkeit, es gibt keine größere Gang als diese hier in LA und jeder möchte dieser Gang beitreten.

Ich bin kein Typ für eine Gang und würde auch nie auf den Gedanken kommen in eine einzutreten, auch wenn ich sagen muss bei ihm würde ich wohl eine Ausnahme machen, aber was mach ich mir vor, für ihn wäre ich eine von vielen, warum sollte er gerade mich wahrnehmen.

Es gibt gefühlt zig Frauen, die ihm den Kopf verdrehen und ich weiß das ich keine Chance habe also versuche ich es gar nicht, ich will mich jetzt auf mich konzentrieren, aufs Abnehmen und auf mein Inneres, ich habe in meinen Leben genug mit gemacht um muss damit erst mal abschließen, aus dem Grund warte ich hier auf Scott meinen persönlichen Ernährungsberater und Therapeut.

Mein Trauma was ich erlebt habe liegt wie eine Bleidecke über meine Leben und ich muss erst einmal versuchen das dunkle in meinen Inneren loszuwerden.

Dennoch kann ich dieses Gefühl was der Boss der Pantheras in mir entfacht nicht einfach Ignorieren und sein bohrender Blick macht die Sache auch nicht viel besser.

Ich atme tief durch und bemerke aus dem Augenwinkel wie eine junge blonde Frau in einem roten Minikleid und schwarzen Stöckelschuhen auf ihn und John, seiner recht Hand, zu geht. Ein Stich ins Herz durchfährt mich als ich sehe, wie ihre Finger über seinen Unterarm streifen, aber ich habe auch das Gefühl, dass es ihm nicht recht ist.

Immer wieder schaue ich auf mein Handy, um mich abzulenken, Richard macht mich wirklich verdammt nervös, aber ich werde mich hüten ihm das Wissen zu lassen.

Dann endlich sehe ich Scott und kann die drei am Tisch ausblenden. Mein Trainer ist nicht der Typ Mann, auf den ich persönlich stehe und darüber bin ich verdammt froh, sonst wäre es noch schwieriger die Sache Abnehmen und Therapie aufzugreifen. 

Scott ist mir eine großartige Hilfe und ich bin froh ihn kennen gelernt zu haben nach dem ich hier her geflüchtet bin. Ich weiß noch wie ich ihn kennengelernt hab, ich ging damals ziemlich ziellos durch die Gegen und bin rein zufällig vor seiner Praxis gelandet, aber diese gro0e Schild an seiner Praxis Tür ließ mich nicht mehr los und die Stunden mit ihm tun mir gut und ich kann nach und nach mein Trauma verarbeiten. 

Nach etwa 1 Std ist unser Gespräch beendet und mit einigen guten Tipps geht Scott und lässt mich allein, ich atme tief durch und schau auf den Berg vor Büchern und Blättern vor mir.

Meine Hausaufgaben wie Scott so schön sagt, dabei habe ich die schon in der Schule gehasst und jetzt bekomme ich von meinen Therapeuten Hausaufgaben gestellt aber sie haben ihren Sinn und ich weiß das es mir guttut, wenn ich die hinter mir gebracht habe.

Trotzdem habe ich hin und wieder das Bedürfnis die Sachen in den Müll zu werfen und den Kopf in den Sand zu stecken aber jammern hilft ja nicht, ich muss da jetzt einfach durch.

Ich nehme schließlich den ganzen Schwung an Sachen auf den Arm und geh nach Hause, den ganzen Weg über habe ich das Gefühl, das ich beobachtet werde. Und dieser Gedanke gefällt mir ganz und gar nicht, ich muss aufpassen das ich keine Panik bekomme.

An meiner Haustür schau ich mich noch einmal vorsichtig um als ich aber keine Menschenseele entdecke gehe ich schließlich rein.

 

 

Ich frage mich wirklich, ob ich noch alle Sinne bei mir habe, ich verfolge die junge Frau seit einer Weile und sobald sie sich umdreht, husche ich in eine Ecke wie ein aufgeschrecktes Huhn und folge ihr erst weiter, wenn ich sicher bin das sie mich nicht ertappt.

Was bitte stimmt denn mit mir nicht?, ich bin ein Bandenboss und dies hier mein Revier, aber dennoch schleiche ich rum wie ein Schwerverbrecher. Gott bin ich dämlich. Ich schnaufe, versuche meine Schultern zu straffen und versuche mein Puls unter Kontrolle zu bekommen, warum geh ich nicht einfach auf sie zu und frage sie, ob sie mit mir etwas trinken möchte, ich bin doch sonst nicht auf den Mund gefallen aber bei ihr schalten meine Gehirn Zellen aus und noch etwas sträubt sich in mir.

Ich warte schließlich doch an der Ecke und sehe wie sie auf ein Mehrfamilienhaus zu geht, ich atme tief ein und bleibe dicht an der Mauer stehen als sie sich noch einmal umdreht und dann schließlich ins Haus geht.

"Meine Güte bist du albern" erschrocken reize ich meinen Kopf rum. "Bist du verrückt geworden mich so zu erschrecken" zische ich, John tippt sich an die Stirn "Ich frage mich was aus meinem sonst so taffen Freund geworden ist" ein fieses Grinsen huscht über sein Gesicht und am liebsten würde ich ihm eine verpassen. Doch ich schüttle nur den Kopf und schau zum Haus.

"Mal im Ernst Richard was ist los??" ohne ihn anzuschauen antworte ich "Wenn ich die Antwort kenne, dann sag ich es dir". Er legt seine Finger an sein Kinn, tippt paarmal dran und sagt dann grinsend "Pass auf, ich kann ja zur ihr hingehen und sie nach einem Date für dich fragen" als er an mir vorbei gehen will kralle ich meine Finger in sein schwarzes Shirt ziehe ihn nicht gerade sanft zurück und fauche "Wehe John, dann vergesse ich ganz schnell das wir beste Freunde sind", er verschränkt die Arme vor seiner Brust "Naja so wie jetzt kann es ja auch nicht bleiben". "Ach was“ und kratze mich am Hinterkopf.

Mein Blick wandert hoch zum Himmel, auch wenn es schon kurz nach 20 Uhr ist, strahlt die Sonne von einem blauen Himmel und die Hitze ist immer noch sehr erdrückend.

 John klopft mir auf die Schulter "Komm alter wir gehen was trinken, um dich abzukühlen“ noch einmal schau ich zum Hauseingang und folge John nur zögerlich zurück zur Bar die nur paar Straßen von hier weg ist.

 

 

Erschrocken halte ich die Luft an als ich aus dem Fenster schaue und tatsächlich Richard und John an der Straßen Ecke sehe, dann hat sich mein Gefühl also doch nicht getäuscht und ich dachte schon ich werde verrückt, er ist mir nach gegangen aber warum nur?.

Ich bin echt verwirrt und bleibe so lange am Fenster stehen, bis beide schließlich weg sind und sich mein Herzschlag wieder beruhigt hat.

Ich raufe mir die Haare und versuche nicht mehr daran zu denken und versuche mich auf die Bücher zu konzentrieren aber wirklich konzentrieren kann ich mich nicht und klappe die Seiten mehr als nur genervt zu.

"So ein kack" grummle ich und lege meinen Kopf in den Nacken und schließe die Augen, meine Gedanken wandern zu Richard, sein Gesicht sehe ich deutlich vor mir, sein Markantes Gesicht, seine sinnlichen roten Lippen und diese tiefbraunen Augen, einfach zum Versinken und dieses volle lange schwarze Haar.

Noch mehr frustrierend öffne ich meine Augen, lege meinen Kopf in den Nacken und starre an die Decke, die weiße Wand starrt mich schweigend zurück an und ich weiß nicht so recht was ich mit mir anfangen soll.

Und so beschließe ich an den Strand zu gehen, schnapp mir meine Schlüssel von Kühlschrank und verlasse die kühle Wohnung.

Draußen weht mir ein warmer Wind entgegen und ich hoffe das die Promenade nicht mehr als zu voll ist, auch wenn dies wohl mehr Wunschdenken ist.

Es ist kurz nach einundzwanzig Uhr und hier und es ist tatsächlich noch recht voll, aber ich werde von den Leuten ignoriert, nur hier und da huscht ein Blick zu mir den ich nicht einordnen kann und das Tuscheln der Leute interessiert mich auch nicht mehr.

An einen der ruhigen Ecken der Promenade bleibe ich stehen und lehne mich vorn über an das Holzgeländer und schließe meine Augen, der Geruch vom Ozean steigt mir in die Nase und eine laue Brise weht vom Meer hinüber.

Ich liebe den salzigen Geschmack auf der Zunge. Ich streife mit meiner Hand durchs kurze Haar und atme tief ein, ich gerate ins Stocken als zwischen der Meeresbrise ein anderer Geruch auftaucht, ein Hauch von Zigarettenrauch, Moschus und Bier. Ich schlucke schwer und wage nicht die Augen zu öffnen. Mein Herz hämmert mir in der Brust und schlägt schon sehr heftig gegen meine Rippen, meine Nervosität steigt und steigt und mein Hals wird ganz trocken und meine Hände werden feucht.

"OK" denke ich mir und öffne langsam die Augen und richte meinen Blick auf den Boss der Pantheras, der nur paar Meter von mir entfernt steht und mich einfach anschaut, in seiner Hand hält er eine Bierfalsche fest. Er rührt sich nicht, schaut mich einfach nur an und ich weiß wirklich nicht was ich davon halten soll.

 

 

Ich glaube ich Träume, die junge Frau, der ich vorhin gefolgt bin, läuft tatsächlich hier am Strand lang und genau an meiner Stamm Bar vorbei, damit hätte ich ja nicht gerechnet. Auch John hat das natürlich mitbekommen und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen und am liebsten würde ich ihm sein blödes Grinsen aus dem Gesicht schlagen, ich bin nur froh das Sheila nicht hier ist sonst würde ich ausrasten, wenn ihr wieder ein unpassender Kommentar rausrutscht, aber die ist vor einer Stunde zu ihrer besten Freundin nach England geflogen und so habe ich die nächsten Monate ruhe vor ihr.

 Er verschränkt seine arme vor der Brust und säuselt "Na wenn das mal kein Zufall ist". Ich umklammere leicht angesäuert meine Bierfalsche und bin echt drauf und dran John eine zu verpassen, bester Freund hin oder her. 

"Bist du bald fertig" sage ich knurrend und nippe an meiner Flasche. John lehnt sich zurück und hält seinen Kopf schräg. "Boss mal ehrlich, ich merke doch das dir die junge Frau gefällt. Und ja, ich weiß auch dass sie eigentlich nicht in dein Beuteschema passt und um ehrlich zu sein, finde ich es voll ok, sie scheint nett zu sein. Ob jetzt dick oder dünn, groß oder klein egal. Versuche sie kennen zu lernen du hattest genug Betthasen in deinem Leben die nicht so wirklich, zu dir gepasst haben, vielleicht ist es sie, die eine Frau fürs Leben".

Ich kratzte mich am Nacken und ziehe meine Augenbraun tief ins Gesicht "Ich habe gerade das dumme Gefühl, das du mich verarschen willst", John fährt sich mit der Hand übers Gesicht.

"Bitte??. Alter ich meine es echt ernst. Aber wenn du deine Chance verpassen willst. Dann ist es dein Problem". Ich fahre mit meiner Zunge über meine Zähne, schnappe mir meine Bierflasche und stehe langsam auf.

Ich merke genau wie die Leute hier mich anschauen und ehrlich hin und wieder nervt es schon, die Frauen werfen mir Schlafzimmer Blicke zu, aber ich habe daran einfach kein Interesse mehr, schon seit einiger Zeit merke ich das sich mein inneres Ich verändert hat.

Vor einigen Wochen war dies noch anders, da habe ich diese Blicke genossen und hab mir die Frauen ausgesucht, mit denen ich mein Bett geteilt habe, aber ich glaube das ich so langsam an einem Punkt in meinem Leben angekommen bin wo Liebe und Zuneigung wichtiger sind als eine schnelle heiße Nummer.

Die junge Frau steht mit geschlossen Augen und mit dem Oberkörper Richtung Meer, ich bin nervös und mein Puls rast, ich weiß einfach nicht was ich tun soll. Meine Güte ich bin Erwachsen und fühle mich wie ein Teenager. Ich muss tatsächlich mehrmals sehr tief durchatmen bevor ich den Schritt wage näher zu gehen.

Ich versteife mich als ich merke, dass sie ihre Augen aufschlägt und mich anschaut, meine Venen pumpen sich mit Blut voll und ich weiß nicht was ich sagen soll oder was ich nicht sagen soll. Mein Körper reagiert auf sie und ich weiß nicht genau, ob ich das genießen soll.

„Hallo“, mehr bekomme ich nicht raus, ich könnte mir gerade selbst in den Arsch treten aber ihr scheues Lächeln bringt mein Blut zum Kochen.

„Hallo“, antwortet sie leise zurück und ihre grünen Augen leuchten, mir wird heiß und kalt und ich weiß wirklich nicht was ich tun soll. Meine Augen ruhen auf ihren Lippen und ich muss schwer schlucken als ihre Zunge über ihre unter Lippe streift.

 

 

Ich wage kaum meine Augen zu öffnen aber die ganze Zeit wie eine Statue rumzustehen, um zu hoffen das er geht hat wohl auch keinen Sinn. Ich drehe mich frontal auf ihn zu und halte meinen Kopf schräg. Was ich genau sagen will weiß ich selbst noch nicht genau aber diese seltsame Situation ist echt verdammt gruselig. 

Ich atme tief durch "Kann ich dir Helfen. Auch wenn ich das bezweifle"

Ein Schmunzeln breitet sich auf seinem Gesicht aus und er streift mit seiner Zunge über seine Oberlippe." Nein" sagt er schließlich und ich sehe, wie sich seine Schultern entspannen.

Verlegen und mit einem warmen Lächeln auf den Lippen holt er tief Luft " Das ist jetzt wahrscheinlich der dümmste Anmachspruch, aber du kommst nicht von hier". 

Jetzt muss ich lachen und antworte dann "Es gibt dümmere Sprüche aber ja ich bin tatsächlich nicht von hier und woran hast du das gemerkt? " ich halte meinen Kopf schräg und bin auf die Antwort doch sehr gespannt. 

Ich schaue ihn neugierig an "Dies ist hier mein Revier und neue Nachbarn sprechen sich schnell rum". Ich beiße mir auf die Lippen, um nicht zu sagen das er mich ja verfolgt hat und weiß, das ich neu hier in der Stadt bin. Immerhin stand die Wohnung lange leer und beim Einzug haben mir viele Leute von den Pantheras erzählt und vor allem von dem Boss. 

Ich zucke ein wenig zusammen als ich zu spät bemerke das der Mann nähergekommen ist. Seine tiefbraunen Augen durch dringen meine und ich habe das Gefühl, das er mir tief in die Seele schauen kann und das Gefällt mir eigentlich nicht. 

Ich räuspere mich und versuche ein wenig auf Abstand zu gehen was nicht einfach ist, wenn die Promenade endet und die Bars und Snacks Buden anfangen. 

Er hält seinen Kopf schräg und seine tiefe raue Stimme dringt tief in mein Bewusstsein. "Ich brauche dir wohl nicht sagen wer ich bin?  Die Frage hört sich eher nach einer Feststellung an. 

Ich nicke knapp und nehme all meinen Mut zusammen und reiche ihm die Hand.  

 

 

Ich mag das Mädel echt. Geht mir die ganze Zeit durch den Kopf als, sie einfach nur still dastand, um die Lage abzuchecken. 

Klar war die Frage blöd, ob sie neu in der Stadt ist. Immerhin kenne ich hier jeden Stein. Jeden noch so kleinsten Winkel und ich weiß immer wer wann wo umzieht. Weg zieht oder stirbt. 

Sie ist da keine Ausnahme, auch wenn ich tatsächlich nicht weiß, wie sie heißt. Ich weiß nur das vor fünf Monaten jemand in die Wohnung der alten Miss Avery gezogen ist als die zu ihren Kindern nach England gezogen ist.

Ich glaube sie war bis heute Morgen für mich unsichtbar. 

Das Ganze, kann ich mir immer noch nicht erklären und vielleicht will ich es auch gar nicht. Ich weiß nur eins, ich möchte die junge Frau kennen lernen und herausfinden, wie weit es mit uns gehen würde oder kann. 

Ich grinse als sie ihre Hand zu mir streckt und ich sie dankbar annehme. "Mein Name ist Raven... Raven Thomson". "Richard...mein Name ist Richard Paxxton" sag ich und kann ihre Hand einfach nicht loslassen und ich habe das Gefühl, das sie es auch nicht will. 

Ihre Augen strahlen mich an und mein Herz pocht so heftig in meiner Brust das ich das Gefühl habe, das sie meinen Herzschlag hören könnte.

Nur sehr widerwillig lass ich ihre Hand los und nippe an meiner Bierflasche, das Getränk befeuchtet meinen trockenen Hals. "Darf ich dir auch was zu trinken anbieten"

Ich versteife mich plötzlich, weil mir die Antwort ein wenig zu lange dauert und ihre Augen tragen nicht gerade dazu bei das ich mich in der Position wohl fühle.

Da lächelt sie plötzlich und nickt "Sehr gerne". Ein Feuerwerk geht durch meinen Körper und ich kann mich sichtlich entspannen. "Na dann komm mal mit, ich glaube es wird Zeit das du meine Gang etwas näher kennenlernst".

Mit den Worten greife ich nach ihrer warmen Hand und ich ziehe sie mit mir mit.

 

 

Richards Hand ist warm und schon fast fordernd, aber dennoch lass ich es zu das er mich zu dem Tisch, mit seinen Freunden bringt, ganz wohl ist mir zwar nicht und eigentlich wollte ich soweit es geht, unsichtbar bleiben, aber vielleicht ist es keine so schlechte Idee mit einer Gang befreundet zu sein.

Ich frage mich wie er mich sehen wird, wenn er weiß, warum ich hierhergezogen bin, was oder wer meine Vergangenheit bestimmt hat, was mich dazu getrieben hat weg zu gehen.

Tief atme ich durch und Versuche erst mal meine aufkeimende Panik zu unterdrücken. Richard schaut mich an und eine Gänsehaut streift über meinen Rücken.

"Kleines es ist alles gut". Ich lächle matt und atme tief durch.

Gegen alle meine Erwartungen sind seine Jungs verdammt nett, ich kenne hier und da schon paar Namen, die ich aufgeschnappt habe und jetzt lerne ich die Gesichter dazu kenne.

Da ist John , sein bester Freund, dickes braun gelocktes Haar das auf seinen breiten Schultern ruht und strahlend braune Augen, Kriss er trägt seinen blonden Haare Mittellang und seine Eisblauen Augen sind der Wahnsinn, Mace seine Haare sind tiefschwarz, so wie Richard seine, auch wenn Richard seine eher Rabenschwarz sind und er die Haare Schulterlang trägt, aber Mace trägt sie kurz und er hat Kastanien braune Augen, Kevin er hat Schulterlange braune Haare die er zu einen Pferdezopf trägt und er hat ebenfalls braune Augen und der letzte im Bunde ist Hunter er hat Mittelange blonde Haare die gelockt sind und sein Pony  fällt ihm in die Stirn, seine blauen Augen sind hell und strahlen.

Nach und nach merke ich wie ich mich selbst entspanne und die Nähe der ganzen Männer sogar genießen kann, doch merke ich immer wieder, wie mich Richard ausschaut.

Sein Blick ist warm und freundlich, es ist ein seltsames Gefühl hier inmitten der Gang zu sein und denen beim Reden und Scherzen zuzuhören.

Ich bin sehr froh, dass keiner der Männer auf die Idee kommt mich auszufragen, ich genieße einfach die Nähe der Gangmitglieder.

Es ist weit nach Mitternacht als ich aufstehe und in die nette Runde rufe.

"Ich danke euch allen für den schönen Abend, aber es wird Zeit für mich zu gehen".

Kriss schaut mich an "Raven es war wirklich sehr nett mit dir das müssen wir wiederholen", die anderen nicken und stoßen mit Bier an. Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen "Sehr gerne"

Da steht Richard auch auf "Ich bringe dich nach Hause", ich winke ab "Nein das ist nicht nötig". Da lacht er "Du glaubst doch wohl nicht das ich dich um die Zeit alleine gehen lasse". Da schaut John über seine Schulter "Mädchen du hast da keine Chance, lass ihn dich nach Hause bringen sonst haben wir hier einen schlecht gelaunten Chef sitzen". 

Ich merke, wie sich Richard neben mir versteift und ich habe das Gefühl, das er seinen besten Freund am liebsten den Hals um Drehen würde, ich schaue Richard schräg an, der Atmet tief durch und alle anderen fangen an zu lachen.

Ich lege meine Hand auf seinen Unterarm und zwinkere ihm zu "Dann lass uns mal gehen". "Bis später Boss" ruft John und alle anderen Klatschen.

 

 

"Idioten" sage ich leise und ich sehe, wie sich Raven ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.

 -Diese verdammten Mistkerle, wenn ich die allein in die Finger bekomme- geht mir durch den Kopf und ich würde am liebsten zurück an den Tisch gehen und jeden einzelnen in den Hintern treten.

"Deine Jungs sind sehr nett" Raven schaut mich mit ihren wunderschönen grünen Augen an, ich mag das Mädel sehr, auch wenn etwas sich in mir dagegen sträubt.

 "Ja die sind ganz Ok, wenn die nicht zu tief ins Glas geschaut haben" die Antwort kam etwas bissig aus meinem Mund und Ärgere mich selbst über die Jungs.

Da bleibt sie stehen, "Du musst mich nicht nach Hause bringen". Ich bleibe ebenfalls stehen und atme tief durch "Kleines es ist nicht so, dass ich mich gezwungen fühle oder so, ich möchte gerne bei dir sein und dich näher kennen lernen, ich weiß das ich ein Bandenboss bin und du wahrscheinlich denkst das ich jeden Tag eine andere Frau flachlege. Mein Geld mit Drogen und Prostitution verdiene, aber so ist es nicht. Ja... ich bin ein Bandenboss und ich bin es gerne, aber ich verdiene mein Geld auf ehrliche weise und verlange das auch von meinen Mitgliedern, wenn da was schiefläuft, setzte ich die vor die Tür".

Für einen Moment habe ich das Gefühl das Raven davonlaufen will, aber da legt sie ihre Hand auf meinen Unterarm "Du bist echt eine ehrliche Haut und ich bin froh, dass du mich angesprochen hast, ich hätte mich das nicht getraut. Ich weiß Richard das ich nicht so gut aussehe wie die Schönheiten, die sonst in deiner Nähe sind und ich muss ehrlich sagen das ich keine Ahnung habe was du genau von mir möchtest, ich bin da wirklich sehr zwiegespalten und meine Vergangenheit hat mir eines gezeigt, es ist nie wirklich so wie es scheint".

Das hat gesessen, ich fühle mich wie mein Herz heftiger anfängt zu schlagen und ich gehe einen weiteren Schritt auf Raven zu, ihre Hand liegt immer noch auf meinen Arm, ich kann ihre Haut riechen, die nach Orange und Rauch duftet, meine Sinne sind benebelt und das hat nicht nur mit dem Alkohol zu tun. Ich schlinge meinen Arm um ihre Hüfte, wie weich und angenehm sie ist und schiebe dabei ihre ruhende Hand von meinem Arm. Sie schluckt schwer und schaut auf meine Lippen, genau wie ich es tue, ich kann einfach nicht anders. 

 

 

Mein Blut rauscht durch meine Venen und mein Herz schlägt heftig gegen meine Rippen, Richard ist mir so nah, dass ich seinen Duft einsaugen kann, Bier, Rauch und Benzin, eine Gefährliche Mischung.

Ich werde nervös als er näher und näher kommt und sein rechter Arm liegt um meine Hüfte, am liebsten würde ich davon laufen aber meine Beine gehorchen mir einfach nicht, stattdessen starre ich auf seine vollen roten Lippen, meine Nervosität steigt und steigt und ich hab das dumme Gefühl das ich mich gerade in Richard verliebe, aber das will ich nicht, ich kann nicht noch einmal mal Herz verlieren, ich bin dazu einfach noch nicht bereit aber mein Herz ist ein Verräter und geht in eine ganz andere Richtung.

Seine linke Hand legt er auf meine Wange und es fühlt sich so gut an, ich muss schwer schlucken als ich merke das ich mich gegen seine warme Hand schmiege und ich frag mich selbst was ich hier tue, ob es richtig ist, was ich hier tue, wie das alles Endet.

Ich schließe meine Augen als sich seine Lippen sanft auf meine Pressen und ich kann nicht anders als den Kuss zu erwidern, seine Zunge schiebt sich sachte in meinen Mund und umkreist meine Zunge mit seiner, sanft und nicht so heftig wie ich erwartet hatte.

Dieser Kuss ist wie ein Feuerwerk für meine Sinne, auch wenn ich immer noch Angst habe das dies hier alles ein Fehler ist, Panik kommt in mir hoch und ich habe das Gefühl zu ersticken.

Schwer atmend schieb ich ihn zurück, meine Wange glühen und mein inneres ruft nach mehr, aber dies kann ich einfach nicht zu lassen.

"Es....es tut mir leid" ich schiebe ihn zurück "Kleines" ich schüttle heftig den Kopf 

"Nein....bitte

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Texte: Melanie van Amerongen
Cover: Fizzy Lemon
Tag der Veröffentlichung: 23.06.2022
ISBN: 978-3-7554-1611-1

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
Ich widme dieses Buch meinen Mann, der mir eine große Hilfe war dieses Buch auf Papier zu bringen und immer an mich geglaubt hat

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