Soso, Frühling soll es wieder werden;
und ich wollte mir einen faulen Lenz machen.
Vielleicht bin ich der sprichwörtliche "faule Lenz"?
Flora erhält viel Lob.
Immer emsig, die Gute.
Wir sollen uns diese Jahreszeit teilen.
Ich solle ein Auge auf sie haben.
Sie übertreibt es gerne.
Alles wuchert, wächst – wer weiß wohin?
Da komm ich dann ins Spiel.
Ich begrenz, ich schwänz,
ich stell Betrachtungen an ...
Einen ruhigen Lenz schieben –
das kommt mir sehr gelegen.
Sagt es Flora nicht,
aber sie hat etwas unnatürlich Rastloses;
als ob sie ständig
vor dem Winter auf der Flucht wäre.
Unbedingt ein Kontrastprogramm sein wollen;
sich auszeichnen wollen durch
exorbitante Produktivität –
damit der Frühlingszauber garantiert gelingt.
"Ora et labora", meint die göttliche Flora.
Hyperaktiv.
Bekenntnisse des Lenzes?
Soll ich mit Euch ganz offen sein?
Es ist ein fruchtloses Unterfangen.
Herbst und Winter machen unsere Arbeit zunichte;
sie genießen das.
Ich zähle schon viele Lenze –
ich weiß Bescheid.
Sich einen lauen Lenz zu machen,
ist der beste Rat, den ich Euch geben kann.
Flora treibt es wild,
sie liebt die Pracht ...
Sie vergisst Jahr für Jahr,
dass wir in einer Zeitschleife festhängen.
Und täglich grüßt das Gewohnheitstier.
Wenn man chillt,
macht man zumindest nichts verkehrt.
Man ehrt den Augenblick, würdigt ihn ...
Er kommt sich für einen Moment einzigartig vor;
nicht so austauschbar.
Die schöne Frühjahrsmüdigkeit
soll vertrieben werden?
Warum um Himmels willen sollte man das tun?!
Dolcefarniente –
das Gras wächst nicht schneller,
wenn man daran zieht.
Ist das schon Dekadenz?
Ich denke gerne nach über die Existenz.
Ineffizienz als Mittel der Wahl.
Eine Audienz beim Frieden.
Aber Flora lässt einen ja nicht!
Sie drängt, sie pusht, sie schiebt.
Eine ruhige Kugel schieben,
meinetwegen auch eine schnelle Nummer schieben,
einen ruhigen Lenz schieben –
dem ist sie allem gänzlich abgeneigt.
Wie schön, etwas auf die lange Bank zu schieben.
Soll die nächste Saison sich darum kümmern.
Schichtwechsel.
Der Frühling tut sich hervor als
Workaholic, Neuerer, treibende Kraft.
Flora gibt sich hemdsärmelig.
Eine Powerfrau.
Selbst Aurora treibt sie an.
Wir liegen alle hinter dem Plan.
Ich verschiebe gerne.
Mich immer saisongemäß verhalten?
Ein Saisonier, der lediglich sein Soll erfüllt ...
Ambitionsbefreit – zur Kontemplation bereit.
Durchs Kontemplieren sich komplettieren.
Lenzen heißt:
"Mit dem Wind direkt im Rücken segeln –
vor dem Wind segeln."
Gefällt mir das Manöver.
Frühling ist so früh im Jahr.
Kommt mir vor wie Frühdienst.
Früher war das alles viel entspannter –
als es noch keine Pflanzen und Tiere gab.
Steinen sieht man nicht an,
ob sie Frühlingsgefühle haben.
Verzeiht meine Unwilligkeit.
Ihr sollt einen schönen Frühling bekommen.
"Auf der Bühne der Welt sind wir alle Debütanten",
meint Siegfried Lenz.
Von uns verlangt man Myriaden von Dakapos ...
Man sollte meinen,
unsereins würde durch Wiederholung besser werden;
eine Steigerung von Jahr zu Jahr ...
Ist das Floras Intention?
Eine Perfektionistin, detailversessen,
minutiös für ein viertel Jahr –
131.400 Minuten dauert die Show.
Akribie – peinliche Genauigkeit ist mir peinlich.
"Bei den meisten ruft die Erinnerung
nichts anderes hervor als Selbstmitleid",
noch so ein Zitat von Siegfried Lenz.
Ich bin wohl zu Erinnerungs-lastig,
das stört die Balance.
Siegfried Lenz meint:
"Vergangenheit hört nicht auf;
sie überprüft uns in der Gegenwart."
Vermutlich lese ich zu viel Lenz.
Flora beklagt sich über meine Indifferenz.
Die Blumen anfeuern?
Was erwartet sie von mir?
Den Bäumen Beine machen?
Wir sind die Vorband des Sommers,
machen wir uns nichts vor.
Als Drückeberger Berge versetzen?
Die Saison passt nicht zu mir –
ich werde dem Winter assistieren.
Co-Winter sein.
Wundert Euch also nicht,
wenn der Winter frühlingshafter wird.
Demnächst die Komplettlösung:
alle Jahreszeiten in einer.
Man tut sich zusammen, man rückt zusammen.
Bei heftigem Regen
leihe ich dem Sommer meine Lenzpumpe.
Wie sich das unter Kollegen so gehört.
Ich kann ja mal versuchsweise singen:
"Veronika, der Lenz ist da.
Die ganze Welt ist wie verhext."
Könnte meine Einlaufmusik sein.
Oder etwas Martialischeres?
Ich komme nicht so recht in Stimmung.
Wie soll ich die Pflanzen begeistern?
Pflanzen-Animateur – ist doch peinlich.
Ich weiß gar nicht,
wo ich mein blaues Band gelassen habe.
Welche Trends sollen es diesmal sein?
Wünsche bitte in die Kommentare schreiben.
Flora treibt sich mit Zephyr rum.
Aber davon erzähle ich Euch
in einem anderen Gedicht.
ENDE
Tag der Veröffentlichung: 25.03.2025
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