Prolog
Still saß ich im Krankenhaus an seinem Bett. Bleich und ohne Bewusstsein lag Bob darin. Ob er jemals wieder aufwachen und gesund werden würde, ich wusste es nicht. Tränen rollten mir übers Gesicht. Das Bob hier lag war meine Schuld. Wir waren einmal so glücklich und sind durch dick und dünn gegangen. Und nun das, sein Herz war gebrochen und er würde vielleicht sogar sterben. Wenn das passieren würde, ich wüsste nicht was ich dann machen sollte. Flüsternd bat ich ihn nicht zu sterben und wieder gesund zu werden. Ob er mich wohl hörte? Stunde um Stunde verging und ich hatte mittlerweile das Zeitgefühl verloren. Alles Anraten auch mal an mich zu denken lehnte ich ab. In der Vergangenheit hatte ich zu viel an mich gedacht und das konnte Bob nun das Leben kosten. Nein, das darf nicht noch mal passieren. Sollte er wieder aufwachen, dann brauchte er mich, sofern er mir verzieh. Ich konnte nur hoffen und beten.
Bob
Robert, eigentlich von allen nur Bob genannt, wuchs bei seinem Vater auf. Seine Mutter hatte ihn und seinen Vater im Stich gelassen. Sehr glücklich war er nicht. Die Erziehung war streng und sein Vater ließ ihn oft spüren, dass dieser mit der familiären Situation nicht zufrieden war. Liebe bekam Bob nur sehr selten. Am wohlsten fühlte er sich in der Schule oder wenn er sich mit seinen wenigen Freunden traf, diese nahmen ihn wenigstens ernst, lachten mit ihm und gaben ihm etwas Geborgenheit.
Bob liebte Musik, in der Schule sang er im Chor mit. Es machte ihm sehr viel Spaß. Dort konnte er seinen Gefühlen freien Lauf lassen. Daheim konnte er es nicht. Er hätte auch gern ein Instrument spielen gelernt, doch das erlaubte sein Vater nicht.
Nachdem Bob mit der Schule fertig war und volljährig, setzte er alles daran um einen Ausbildungsplatz zu bekommen und von daheim auszuziehen. Diese lieblose Atmosphäre bei seinem Vater konnte er nicht mehr ertragen.
Bob machte eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Auch wenn man während der Lehrzeit kein Vermögen verdiente, so reichte es doch das er sich ein kleines möbliertes Zimmer leisten konnte um auf eigenen Beinen stehen zu können. Es war ihm anzusehen, dass es für ihn wie ein Befreiungsschlag war herauszukommen.
Ich
Mein Name ist Albert, ich weiß, ein blöder und altmodischer Name, doch bei mir in der Familie war es üblich, dass die Namen von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Genauso wie der Glaube und die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche.
In meiner Familie gab es viele die mit Musik zu tun hatten, es gab einige die waren Musiklehrer, andere spielten in Orchestern mit und es gab auch Organisten.
So war meine Zukunft schon vorausgeplant. Auch ich sollte Musiker werden. Dagegen stemmte ich mich nicht, denn mir machte Musik auch immer sehr viel Spaß.
Ich lernte von klein auf mehrere Instrumente, darunter Klavier und Gitarre. Auch habe ich in Chören mitgesungen, unter anderem im Schulchor. So war es nicht verwunderlich das ich mich nach der Schule für einen musikalischen Beruf entschied. Animiert durch meine Eltern, dem Pfarrer und dem Organisten studierte ich katholische Kirchenmusik. Im Vorfeld hatte ich schon die kleinen Scheine gemacht, die so genannten D- und C-Examen.
Wir
Bob und ich lernten uns im Schulchor unseres Gymnasiums kennen. Uns verband die Liebe zur Musik. Doch auch ansonsten verstanden wir uns sehr gut und wurden Freunde. Oft trafen wir uns nach der Schulzeit um gemeinsam was zu unternehmen oder zu musizieren. Ab und zu nahm ich ihn mit nach Haus. Ich saß am Klavier und er sang. Das machte uns sehr viel Freude.
Wenn wir nicht musizierten gingen wir gemeinsam auch mal ins Kino oder schwimmen. Manchmal gingen nur wir beide los, ab und zu waren auch mal ein paar andere Freunde dabei.
An einem Frühsommertag, es war während des letzten Schuljahres, da gingen wir mal wieder zusammen schwimmen. Da ist mir aufgefallen das er mich häufiger verstohlen anblickte, vor allem dann, wenn ich es nicht zu bemerken schien. Etwas komisch kam ich mir dabei schon vor. Wir waren ja nun schon seit längerem Freunde und ich hatte nie an mehr gedacht. Gut, ich wusste schon seit längerem das ich schwul war. Doch ich ging nicht damit hausieren. Vor allem durfte das nicht in meinem Umfeld bekannt werden. Denn ich bin ja aus einer katholischen Familie. Und das hätte für einen Aufschrei gesorgt, auch in der Kirchengemeinde.
Und ich hatte die Ahnung das Bob auch schwul war, gut, er nie was in der Richtung geäußert, doch es war deutlich zu spüren. Trotzdem hatten wir bisher nichts unternommen oder gesagt was unser freundschaftliches Verhältnis ändern sollte. Und wir wohnten ja auch beide daheim, ich denke mal wenn wir da schon zusammengekommen wären und das publik würde, das wäre eine Katastrophe, ich denke, weder meine Eltern noch sein Vater hätten das toleriert, geschweige denn akzeptiert.
Nach dem schwimmen gingen wir duschen. Mir schwebte es noch im Kopf herum das Bob mich häufig beobachtet hatte und das auf eine gewisse Art. Als wir dann nackt unter der Dusche standen verspürte ich den Drang ihn näher zu betrachten. Vorsichtig blickte ich aus den Augenwinkeln zu ihm, mir fiel auf das er gut gebaut war. Sein Po war wohlgeformt und sehr ansprechend anzusehen. Da fiel mir auf das sein Schwanz begann anzuschwellen. Irritiert wandte ich meinen Blick ab. Doch es löste eine Reaktion bei mir aus die ich nicht kontrollieren konnte, auch mein Schwanz regte sich. Verschämt drehte ich mich so hin das man meine Erektion nicht sehen konnte. Mit kaltem Wasser versuchte ich der Situation Herr zu werden. Ob Bob das beobachtet hatte oder mitbekam wusste ich nicht.
Als wir schließlich fertig waren und das Schwimmbad verließen kam, zum Glück, das Erlebte nicht zur Sprache. Beim Verabschieden sahen wir uns an, ich bemerkte das sich etwas verändert hatte, doch ich tat so als ob nichts passiert wäre.
Abends saß ich in meinem Zimmer und dachte nach. Nun war ich mir sicher, dass Bob, so wie ich, schwul war. Doch wie sollte ich damit umgehen? Bisher waren wir gute Freunde gewesen. Nun veränderte sich etwas, er schwirrte mir im Kopf herum und ich musste zugeben, dass ich ihn sehr attraktiv fand. Das Schlimme ist, ich konnte mit niemanden darüber reden. Die Situation machte mir Angst.
Irgendwann musste ich mich dem stellen. Es sollte bald dazu kommen. Einige Tage nach dem Erlebnis ging ich allein in den Wald um einen Spaziergang zu machen. Einfach mal für mich sein um einen freien Kopf zu bekommen.
Stundenlang ging ich durch den Wald. Langsam taten mir die Füße weh. Da fiel mir ein, dass es nicht weit entfernt einen Hochsitz gab. Dort wollte ich mir eine Pause gönnen. Kaum angekommen kletterte ich hoch und machte es mir bequem. Da ich in der letzten Nacht schlecht geschlafen hatte überkam mich eine leichte Müdigkeit und ich nickte ein.
Plötzlich schreckte ich auf, ich hörte ein Geräusch. Was war das? Da kam jemand den Hochsitz hinauf. Wer kann das sein, wer ist es? Lange musste ich nicht auf die Antwort warten. Es war Bob. Da bemerkte er mich auch. Überrascht sahen wir uns an. Keiner von uns hatte mit dem anderen gerechnet.
„Hallo Bob, was machst Du denn hier?“
„Hallo, das gleiche wollte ich Dich auch grad fragen Albert.“
„Ich brauchte mal eine gewisse Zeit für mich.“
„Geht mir genauso. Ich wusste nicht das Du auch gern im Wald bist.“
„Ach, ab und zu schon.“
Bob kletterte rein und setzte sich neben mich. Irgendwie wusste auf einmal keiner von uns was zu sagen, so saßen wir eine ganze Weile einfach nur stumm nebeneinander.
Ich weiß nicht wie lange wir so beieinander saßen, da ergriff Bob auf einmal das Wort und meinte:
„Du Albert, ich glaube wir müssen miteinander reden.“
„Worüber denn Bob, meinst du etwas Spezielles?“
„Ja, wegen neulich im Schwimmbad.“
„Was, was meinst Du?“
„Ach komm Albert, jetzt weich mir nicht aus, Du weißt was ich meine.“
„Mir ist das irgendwie unangenehm.“
„Bitte, wir müssen es klären, sonst ….“
„Was sonst Bob?“
„Ich möchte Dich nicht verlieren. Du bist doch auch schwul, oder?“
„Ja, bin ich. Wie und wann hast Du es denn bemerkt?“
„Ich wusste es von Anfang an. Du, ich muss Dir was sagen, hoffentlich bist Du nicht böse auf mich.“
„Was denn, sag es frei heraus.“
„Ich habe mich in Dich verliebt.“
Ich sah Bob an, mein Mund stand offen nachdem er mir gesagt hatte das er mich liebte. Mir wurde klar, dass er meine Gefühle erwiderte, denn ich liebte ihn auch. Nach einem Moment der Sprachlosigkeit antwortete ich:
„Ich liebe Dich auch Bob.“
Mehr gab es momentan nicht zu sagen. Wir sahen uns einfach nur an. Vorsichtig griff ich seine Hand und hielt sie einfach. Er erwiderte die Berührung und sein Daumen streichelte meinen Handrücken. Unbewusst rückten wir dichter aneinander und Bob legte seinen Arm um mich. Ruhig saßen wir nebeneinander. Ich spürte wie unsere Herzen pochten. Wir sahen uns an und auf einmal küssten wir uns, erst zaghaft und dann etwas forscher. Und diese ersten Küsse und Zärtlichkeiten fühlten sich gut an.
Vorsichtig begannen wir unsere Liebe zueinander zu entdecken. Es war ein wundervolles Gefühl welches uns durchströmte. Wie sehr wünschte ich mir da, das dieser Moment auf den Hochsitz nie vorbei ging. Doch wir verspürten auch eine gewisse Angst, darüber, wie es weitergehen sollte. Denn wir mussten es geheim halten. Weder sein Vater noch meine Eltern würden es akzeptieren das wir uns liebten. Und ich wusste auch das es von der Kirche aus zu Problemen kommen würde.
Wir saßen Arm in Arm beieinander, immer wieder küssten wir uns. Wir brauchten keine Worte um zu wissen was der jeweils andere gerade dachte. Im Moment zählten nur wir beide und unsere Liebe.
In der nächsten Zeit trafen wir uns häufiger. Nach außen hin taten wir so als ob wir „nur“ Freunde wären. Wenn wir uns näher kamen mussten wir dies immer heimlich tun.
Endlich war die Zeit da wo Bob und ich unser Abitur machten. Die Schule war vorbei. Bob hatte seinen Ausbildungsvertrag in der Tasche und ich die Studienberechtigung. Er hatte sich auch schon ein möbliertes Zimmer gesucht wo er dann einziehen wollte. Auch ich zog zum Studienbeginn aus, ich hatte ein Zimmer in einem Studentenwohnheim bekommen.
Zum Abschluss der Schulzeit gönnten Bob und ich uns eine Wochenendtour. Wir fuhren ins Gebirge wo meine Eltern eine kleine Ferienwohnung hatten. Dort waren wir das erste Mal wirklich unter uns. Da konnten wir wirklich mal so sein wie wir wollten ohne auf andere achten zu müssen.
Wir machten es uns gemütlich und genossen die Ruhe. Einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen. Davon beschwingt schliefen wir das erste Mal miteinander, vorsichtig und zärtlich erkundeten wir uns, wir wollten uns fühlen, riechen und schmecken. Unser Sex war wie ein Fest der Sinnlichkeit.
Beschwingt kehrten wir heim. Nun sollte der Ernst des Lebens beginnen. Uns war aber auch klar das wir noch weiterhin vorsichtig sein mussten. Das belastete uns etwas.
Fast zeitgleich begannen Bob und ich mit unseren Ausbildungen. Seine Ausbildung zum Bankkaufmann sollte drei Jahre dauern, während mein Studium zum Kirchenmusiker acht Semester, also vier Jahre dauerte.
Wir hatten beide auch unsere ersten eigenen „Buden“ bezogen und genossen die Freiheit. Dies ermöglichte uns auch das wir uns häufiger mal für uns allein treffen konnten, wenn uns mal nach Zweisamkeit war. Aber wir unternahmen auch ansonsten sehr viel gemeinsam, egal ob Kino- oder Diskobesuch oder anderes. Doch auch während dieser Zeit mussten wir nach außen so tun als ob wir „nur“ Freunde wären. Unsere Zweisamkeit konnten wir nur allein ausleben wenn wir, entweder bei ihm oder mir, in einer unserer Buden waren.
Nach drei Jahren schaffte Bob seine Prüfung. Er wurde sogar übernommen und in eine Filiale seiner Bank versetzt wo ein älterer Kollege in den Ruhestand ging. Das war optimal. An einem Wochenende nach seiner Prüfung fuhren wir mal in die Großstadt, dort konnten wir uns freier bewegen und auch mal Hand in Hand gehen. Dort wollten wir in eine Schwulenkneipe um seine bestandene Prüfung gebührend zu feiern.
Ich selbst musste noch ein Jahr studieren bis ich meine B-Prüfung ablegen konnte. Das Studium war sehr umfangreich, zu den Fächern gehörten unter anderem Orgelliteraturspiel, liturgisches Orgelspiel, Gehörbildung, Klavier, Gesang und so einiges mehr. Es nahm sehr viel Zeit in Anspruch.
Endlich hatte ich mein Studium beendet. Es waren vier harte Jahre doch es ist geschafft. Mit einer guten Note hatte ich mein Examen geschafft. Nun erwartete mich meine Stelle an einer großen katholischen Kirche in der Großstadt. Auch wenn ich erst begeistert war von dieser Tätigkeit, mich erwartete eine große und schöne Orgel, ein guter Chor mit engagierten Sängerinnen und Sänger und einiges mehr, doch im Nachhinein stellte dies den Anfang großer Probleme dar.
Bob konnte sich nach dem Ende seiner Ausbildung und der Übernahme eine schöne Wohnung mieten und sich einrichten. Das möblierte Zimmer, welches für drei Jahre sein Heim war, gab er auf.
Ich selbst bezog nach Antritt meiner hauptamtlichen Organistenstelle eine Dienstwohnung die der Kirchengemeinde gehörte. Auch ich richtete mich dort ein.
Bei meinem Amtsantritt gab es einen festlichen Gottesdienst. Aus diesem Anlass waren Bob, meine Eltern und mein ehemaliger Gemeindepfarrer auch gekommen und wohnten der Einführung bei. Leider bedeutete das wieder ein Versteckspiel. Bob und ich konnten hier nicht offen zu unserer Liebe stehen.
Dieses Versteckspiel wurde immer mehr zu einer Belastung für uns. Bob wünschte sich das wir offen leben konnten. Sein Vater war mittlerweile verstorben, er stand dem, so traurig es auch war, nicht mehr im Wege. Doch ich konnte nicht offen dazu stehen. Vor allem meine Tätigkeit stand dem im Wege. Die Regeln der Kirche sprachen dagegen, sollte ich mich öffentlich outen würde mich das meine Stelle kosten. So war ich hin- und hergerissen zwischen Beruf und Liebe.
Immer öfters kam es deswegen zum Streit zwischen uns. Bob warf mir vor egoistisch zu sein und das ich nur an mich denken würde. Das traf mich sehr. Bob wusste doch wie sehr ich die Musik liebte und das es mein Traum war einen musikalischen Beruf zu ergreifen.
Als wir mal wieder einen Sonntag gemeinsam verbrachten, ich besuchte ihn nach meinem Dienst, da kam es wieder zum Streit, aber diesmal besonders heftig. Ein Wort gab das andere. Bob beendete unsere Beziehung und bat mich zu gehen. Zum Abschied sagte er zu mir das er so nicht weiterleben könne. Ihm sei klar geworden, dass ich eine Wahl getroffen hätte und mich für die Musik und gegen ihn entschieden hätte. Alles war gesagt und ich ging.
Die Trennung von Bob war ein schwerer Schlag für mich. Doch es war mir nicht klar das er Recht hatte. Ich hatte meine musikalische Laufbahn über die Liebe zu ihm gestellt.
Um den Schmerz darüber zu unterdrücken stürzte ich mich wie ein Besessener in die Arbeit. Fast rund um die Uhr stand die Musik im Vordergrund. Egal ob Orgel üben, Chorproben oder andere Tätigkeiten, alles war besser als zu grübeln und an die Trennung zu denken. Ab und zu, aber viel zu selten sprach ich mal mit Freunden. Darunter waren auch gemeinsame Freunde von Bob und mir. So hörte ich noch ab und zu von ihm, auch wenn es mir unangenehm war. Und doch beunruhige es mich auch, denn ich hörte das er sich immer mehr zurückzog und stiller wurde. Es schien das Bob unter der Trennung sehr litt.
Vier Monate nach unserer Trennung erhielt ich einen Anruf mit dem ich nicht rechnete und der mich aus der Bahn werfen sollte. Es war das Krankenhaus meiner Heimatstadt. Ich wunderte mich was sie von mir wollten. Sie teilten mir mit, dass Bob eingeliefert wurde und das sein Zustand sehr ernst sei. Auf meine Nachfrage warum ich darüber informiert wurde teilte mir der Arzt mit das Bob eine Patientenverfügung hatte und da stand drin, dass man mich im Notfall verständigen sollte.
Nach dem Telefonat sackte ich mich zusammen. Mir wurde klar, dass Bob mich immer noch liebte und ich ihn auch. Auch war mir klar, dass ich etwas ändern musste. Vor allem mich selbst.
Kurzerhand nahm ich mir Urlaub und machte mich umgehend auf den Weg ins Krankenhaus. Ich wollte sofort zu Bob um zu sehen was war und wie es ihm ging.
Nun sitze ich hier neben Bob an seinem Bett und hielt seine Hand. Immer wieder rollten mir die Tränen und ich machte mir die bittersten Vorwürfe. Warum musste es soweit kommen? Wieso hatte ich mich so verhalten? Ein tiefer Schmerz machte sich in meinem Herzen breit. Und die Angst das Bob nicht mehr aufwachte.
In den letzten Tagen hatte ich kaum geschlafen, so kam es das ich, von Müdigkeit übermannt einnickte. Die Augen fielen einfach zu. Auf einmal, schreckte ich auf und vernahm ein leises Stöhnen. Bob wachte langsam auf. Vorsichtig nahm ich wieder seine Hand.
„Bob, Bob, kannst Du mich hören … ?“
„Ja“, kam es leise, „Wo bin ich?“
„Du bist im Krankenhaus.“
„Albert, bist Du es wirklich?“
„Ja, ich bin es, kannst Du mir verzeihen?“
„Albert … es ist alles OK … ich … ich liebe Dich doch ...“
„Du … Du liebst mich noch … nach alledem … ?“
„Ja … trotz allem ….“
Ich konnte auf einmal nichts mehr sagen, immer mehr Tränen rollten über meine Wange und ich fing an hemmungslos zu weinen. Es war kaum zu glauben. Bob liebte mich noch immer, nach alledem was passiert war.
„Albert, bitte nicht weinen, bitte nicht.“
„Bob, ich liebe Dich doch auch noch“, sagte ich unter Tränen.
Wir konnte beide im Moment nichts weiter sagen. Es war für uns ein emotionaler Moment. Auch musste ich Rücksicht nehmen, denn Bob war immer noch sehr schwach.
Ich saß noch eine ganze Weile bei Bob am Bett, glücklich und erleichtert darüber das er wieder aufgewacht war. Doch dann bat er mich, dass ich mich mal ausruhen und etwas schlafe solle, weil sonst, so meinte Bob, wäre ich der Nächste der im Krankenhaus liegen würde. Wir würden uns ja später wieder sehen und er wollte auch noch etwas schlafen.
Als ich mich ins Hotel zurückgezogen hatte legte ich mich gleich hin. Erst jetzt merkte ich das ich sehr müde war. Es dauerte nicht lange und ich schlief ein.
Am nächsten Tag kehrte ich zurück ins Krankenhaus zu Bob. Ihm ging es deutlich besser. Auch wenn er lächelte, so sah ich in seinen Augen das ihn etwas beschäftigte. Nach einer lieben Begrüßung unterhielten wir uns erst so über dies und das. Doch dann meinte Bob:
„Albert, wir müssen mal Klartext reden. Wenn wir noch eine Chance haben wollen, dann muss einiges geändert werden.“
„Stimmt Bob, so kann es auf jeden Fall nicht weitergehen.“
„Du weißt, ich liebe die Musik auch, doch sie darf nicht zwischen uns stehen, vor allem nicht so.“
„Du hast Recht, solange ich meine jetzige Tätigkeit weiter ausübe, dann wird das immer zwischen uns stehen.“
Uns war klar, wir mussten beide etwas ändern wenn unsere Liebe und Beziehung eine Chance haben sollten. Wir mussten irgendwo neu anfangen, denn selbst wenn ich meine Stellung in der Kirche aufgab, so wäre es unmöglich in der Stadt zu bleiben. Auch wenn es eine Großstadt war, wenn es um die so genannte „Stille Post“ ging war selbst diese wie ein Dorf. In unserer Heimatstadt ging es auch nicht, da würden wir auch nicht zur Ruhe kommen. Mittlerweile haben es meine Eltern auch erfahren das ich schwul war. Es kam so wie erwartet, sie waren damit überhaupt nicht einverstanden. Sie waren zu sehr von den Dogmen der Kirche und von einer Routine eingenommen um über ihren Schatten zu springen.
Auch bei Bob gab es gewisse Probleme. Die Bank bei der er arbeitete war eine kleine, familiengeführte, Bank. Der Inhaber war sehr konservativ und konnte Homosexualität nicht akzeptieren.
Bob und ich wollten, nachdem er wieder gesund war, anfangen uns ein neues Leben aufzubauen. Wir wollten in einer anderen größeren Stadt neu starten.
Uns, und vor allem mir, war klar das wir neu anfangen mussten und einiges ändern. Dieses Versteckspiel hätte fast unser Leben zerstört und es wäre beinahe zu spät gewesen für unsere Liebe und unser Leben. Doch auf uns wartete noch ein harter Weg. Wir mussten uns beide einen neuen Beruf suchen. Vor allem würde meine Kündigung für Aufsehen sorgen. Mir war klar, eine Stellung an einer Kirche war mir verschlossen. Doch die Liebe zu Bob war mir wichtiger als eine Stellung bei der Kirche.
Wir machten uns daran die Zukunft zu planen. Bob hatte es als Bankkaufmann einfacher eine neue Stelle zu finden, es gelang ihm recht schnell. Bei mir dauerte es länger. Durch mein B-Examen als Organist durfte ich selbst auch lehren, das war durchaus hilfreich. Doch eine halbwegs adäquate Stelle zu finden war nicht so einfach. Schließlich fand ich eine Stelle an einer größeren Musikschule wo ich als Lehrer für Orgel- und Klavierunterricht anfangen konnte. Ein weiterer Vorteil war, die Musikschule veranstaltete auch regelmäßig Konzerte, da konnte ich meine Erfahrungen gut einbringen.
Mit diesen neuen Aussichten konnten Bob und ich nun eine passende Wohnung suchen. Wir fanden sie und richteten uns ein. Bis dahin war es ein schwerer Weg. Für keinen von uns war es einfach gewesen, unsere ehemaligen Vorgesetzten konnten nicht verstehen, dass wir kündigten. Um zu großes Aufsehen zu vermeiden haben wir den wahren Grund nicht genannt. Wir wollten neu starten und die Belastungen minimieren. Auch wenn ich nun mit Bob glücklich in einer Beziehung lebte, während meiner kirchlichen Laufbahn ging es ja nicht, habe ich meinen Glauben nicht verloren, auch nicht meine Bindung zur Kirche. Nur wünsche ich mir, dass die Kirche der Homosexualität offener gegenübersteht. Denn die zentralste Botschaft des christlichen Glaubens ist doch die Liebe. Auch in der Gesellschaft muss sich noch einiges ändern, gut, es hat sich schon viel getan, doch leider noch nicht genug, immer noch gibt es Vorurteile und veraltete Ansichten. Und es ist doch egal ob man nun hetero- oder homosexuell liebt, wenn zwei Menschen sich wirklich lieben, dann sollten sie auch offen tun dürfen.
Als Bob und ich in unser neues Leben starteten und die erste Nacht in unserer neuen Wohnung verbrachten war es wie ein Traum. Wir können nun unsere Liebe und unser Glück genießen. Mittlerweile akzeptieren selbst meine Eltern unsere Liebe, auch wenn sie es lieber gesehen hätten wenn ich eine Frau geheiratet hätte. Aber sie sind doch auch stolz das ich wenigstens der Musik treu blieb und so die Familientradition fortsetze. Das Wichtigste ist, Bob und ich sind glücklich. Beinahe wäre es zu spät gewesen, doch, Gott sei Dank, wir haben es geschafft.
Nachwort
Im Laufe der Zeit haben sich Vorstellungen zur so genannten Moral und vielem mehr entwickelt. Diese sind, heute betrachtet, sehr oft einfach nur menschenverachtend. Gerade die Liebe wird doch als eines der höchsten Güter und als das wertvollste der Gefühle beschrieben. Sie ist sehr vielschichtig und facettenreich. Es gibt die Liebe zwischen Partnern oder zwischen Eltern und ihren Kindern und noch viele andere Arten. Sie wird in der Literatur, der Musik und der Religion verherrlicht und gepriesen. Und gerade deswegen darf eine echte Liebe, vor allem die zwischen Partnern keiner moralischen Beschränkung unterliegen. Denn ob sich zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts lieben oder zwei Menschen des gleichen Geschlechts, das ist unmaßgeblich. Die Liebe beflügelt, sie treibt den Menschen an und fördert das Gute. Und gerade deshalb ist es wichtig das solche veralteten Moralvorstellungen und Vorurteile endlich abgebaut werden und verschwinden.
Copyright: 30.12.2014
Autor Harald A. Grenz
In einer Tageszeitung vom 06.01.2015 las ich einen Bericht über einen jungen Mann, 18 Jahre alt. Dieser ist schwul. Auf Grund religöser Vorurteile musste er seine Homosexualität verstecken. Bis zuerst sein Onkel eine erste Ahnung hatte, da war der junge Mann gerade 15 Jahre alt.
Dann begann für den jungen Mann die Hölle. Er wurde von seiner Familie aus besagten religösen Vorurteilen gefoltert und misshandelt. Er fand die Kraft sich ans Jugendamt zu wenden die ihn da herausholte. Es kam später zu einem Treffen mit seiner Mutter, diese hatte ihn dann betäubt und er wurde dann von seinem Vater und Onkel entführt. Man wollte ihn ins Ausland schaffen. Zum Glück wurde er bei einer Grenzkontrolle entdeckt und befreit.
Dieser Bericht zeigt deutlich wie sehr Homosexuelle Menschen noch heute und in einem Land wie Deutschland unter Vorurteilen, Diskriminierung und mehr leiden, auch im Namen des Glaubens.
Ich werde mich mit der Tageszeitung in Verbindung setzten um mir die Erlaubnis einzuholen um diesen eben erwähnten Bericht wortgetreu diesem Buch hinzufügen zu dürfen.
Auf jeden Fall ist es eine Schande das so etwas immer noch vorkommt. Die Religion, egal welche, soll das Gute im Menschen fördern. Und zu den guten Werten des Menschen gehören Vorurteile und Diskriminierung auf jeden Fall nicht.
Nach Rücksprache mit der Zeitung darf ich den Artikel verwenden. Sobald er mir wieder vorliegt werde ich diesen als weiteres Kapitel dem Buch hinzufügen.
Der Autor
Ich möchte eines klarstellen. Mit diesem Buch will ich nicht die Religionen angreifen oder gar ablehnen. Und schon gar nicht möchte ich die vielen gläubigen Menschen der verschiedenen Religionen beleidigen. Das liegt absolut nicht in meinem Sinn.
Dieses Buch soll ein Plädoyer für die positiven Werte in den Religionen sein. Diese sind Liebe, Frieden und ein vernünftiges Miteinander der Menschen.
Leider zeigt das Leben das es im Laufe der Zeit immer wieder, einige wenige, Menschen gegeben hat und das es diese auch heute noch gibt, die die Religion missbrauchen um anderen ihren Willen und ihre Moralvorstellungen aufzudrängen. Und gegen diesen Missbrauch der Religion wendet sich dieses Buch.
Denn ich denke mal, da werden die meisten Menschen meiner Meinung sein, egal ob sie religös sind oder nicht, Liebe, Frieden und ein vernünftiges Miteinander zwischen und unter den Menschen sind erstrebenswerte Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt.
Auch beziehen sich die genannten Missstände nicht auf eine einzige Religion oder Konfession allein, sondern darauf das sie, leider, in allen vorkommen. Mit diesem Buch möchte ich erreichen das die Missstände beseitigt werden, zum besseren Verständnis der Menschen untereinander.
Der Autor
Das Update erfolgte am 07.01.2015
Das Schicksal von Moslem Nasser (18) aus Berlin
"Meine Familie quälte mich, weil ich schwul bin"
Berlin - Der Onkel ähnte als Erster, dass der Junge ein Geheimnis hat. "Dein Sohn ist eine Schwuchtel" sagte er zu Nassers Vater.
Um ihn dazu zu zwingen, seine Homosexualität zuzugeben, bedrohte er den damals 15-jährigen. Nasser: "Mein Onkel übergoss mich mit Bezin und näherte sich mit einer glimmenden Zigarette. Er fragte mich: ,Bist du schwul?' Ich schrie .Nein, nein.'"
Nasser (18) ist Moslem, lebt in Berlin. Seine Familie stammt aus dem Libanon, ist sehr konservativ. Für sie ist Schwulsein Todsünde.
Nasser schildert die Quälereien seiner Familie sehr drastisch. Er sei mit heißem Wasser begossen, mit Kabeln ausgepeitscht, mit einem Staubsaugerrohr verprügelt worden.
Aber er behielt das Geheimnis seiner Sexualität für sich. Dann erfuhr es die Familie doch, weil Nasser sich einem Mitschüler anvertraut hatte. In Todesangst musste der Junge am 15. Oktober 2012 fliehen.
Nasser: "Ich ging zum Jugendamt, meinen Eltern wurde das Sorgerecht entzogen. Ich bin in einer Jugend-WG untergetaucht. Trotzdem gelang es meiner Familie, mich im Dezember 2012 zu entführen!"
Er erzählt: "Meine Mutter wollte mich treffen. Als wir zusammen saßen, gab sie mir Cola. Danach kann ich mich an nichts mehr erinnern.
Die Mutter hatte ihren Sohn offenbar in eine Falle gelockt - und betäubt!
"Sie wollten mich in den Libanon bringen, das Herkunftsland meiner Eltern. Erst an der Grenze zwischen Rumänien und Bugarien entdckten Zollbeamte mich im Auto unter einer Decke", erzählt Nasser.
Jetzt macht Nasser seinen REalschulabschluss, sein Ziel, das Abitur. Zur Familie hat er keinen Kontakt. Bald wird er aber Onkel und Vater vorm Amtsgericht wiedersehen. "Am 12. März findet die Verhandlung statt. Es geht um Freiheitsberaubung", bestätigt Dr. Tobias Kaehne, Sprecher der Berliner Strafgerichte.
Hat Nasser Angst? "Ich hatte höllische Angst vor ihnen. Jetzt kämpfe ich für meine Rechte. Auch weil ich kein Einzelfall bin.
Dieser Bericht stand am 06.01.2015 in der Bild-Zeitung. Verfasst wurde er von V. Rüssau.
In einem Telefonat am 06.01.2015 mit der Redaktion der Bild-Zeitung in Hamburg erhielt ich die mündliche Zusage diesen Bericht unter Angabe des Datums, des Zeitungsnamens und des Verfassers in meinem Buch zu verwenden.
Ich verweise darauf, dieser Bericht soll kein Angriff auf den Islam sein. Es soll nur zeigen wie die Religion (und ich meine damit ALLE Religionen) von wenigen Menschen in Misskredit gebracht werden, nur weil man kein Verständnis für eine andere Lebensart hat und die Religion missbraucht wird um andere Lebensarten, die den Wenigen nicht gefallen, zu bekämpfen. Das kann es nicht sein.
Ein weiteres Beispiel für eine Diskriminierung. Letztes Jahr wurde über einen katholischen Kirchenmusiker berichtet. Er war sehr lange in einer Gemeinde tätig. Nur weil er geschieden war und erneut heiratete wurde er gekündigt. Das ist genauso eine Diskriminierung die nicht Okay ist.
Es heißt doch wir sollen einander lieben und auch "Fehler" vergeben. Doch Vorurteile und Diskriminierung haben nichts mit Liebe und Vergebung zu tun.
Der Autor
Das Update erfolgte am 07.01.2015
Tag der Veröffentlichung: 06.01.2015
Alle Rechte vorbehalten
Widmung:
Dieses Buch widme ich einem guten Freund Horst Jungclaus. Er ist der ehemalige Wirt meiner Stammkneipe. Ich kenne ihn nun schon über so viele Jahre und wir haben so manche schöne Stunden in der Kneipe verbracht.