Cover




Coverboldquelle:http://www.oldskoolman.de/
Danke für die tollen Bilder!

Mein Beitrag zum Wettbewerb: Tierisch gut


Das sanfte Licht des Morgens legte sich langsam an den Himmel, und in der Ferne wurden die Konturen zwischen Bergen und Himmel wieder schärfer. Ein prächtiger, weißer Schwan glitt unter dem Vorhang einer Trauerweide die ins Wasser ragte hervor. Den Hals majestätisch gebogen glitt Caan über den See. Er liebte sein Gewässer. Letzten Frühling war er mit seinen Geschwistern hierher gekommen, nachdem seine Eltern der Ansicht gewesen waren, die Jungvögel seien nun alt genug ihr eigenes Leben zu führen. Sein Bruder und seine Schwester jedoch flogen weiter- Ihnen gefiel der See nicht, obwohl er sauber, friedlich und harmonisch war. Caan war sehr einsam, doch schließlich war bald wieder Frühling, und vielleicht würden, wie er inständig hoffte, mit dem Frühjahr auch neue Schwäne kommen.
Caan verspürte Hunger in seinem Bauch nagen und paddelte zur Mitte des Sees, wo es seiner Erfahrung nach am meisten Essbares gab. Er holte tief Luft, ließ seinen Kopf nach unten schnellen und tauchte in das kalte Wasser ein. Wie schon so oft war Caan fasziniert von der betäubenden Stille die hier herrschte, und von dem Zeitlupentempo in dem sich die Wasserpflanzen hypnotisch hin- und herschwangen. Gerade wollte Caan nach einer von ihnen schnappen, als neben ihm etwas höchst ungeschickt ins Wasser krachte. Die Schwingungen waren so heftig, das Caan ein wenig zur Seite gedrängt wurde. Er zog seinen Kopf aus dem See und stellte staunend fest, dass neben ihm ein anderer Schwan gelandet war.
Es stellte sich heraus, das es ein weiblicher Schwan war. Taoka war ihr Name, und sie war wie Caan auf der Suche nach einem neuen Gewässer auf den See gestoßen war. Er mochte Taoka. Ihr sanftes, friedliches Gemüt war angenehm, und sie stritten sich nie.

Der Frühling verging, und der Sommer hielt Einzug am See. In diesem Jahr waren keine weiteren Schwäne zu ihnen gestoßen.
Caan gähnte. Der Morgen war noch jung, doch Taoka hatte ihn durch ein geräuschvolles
Morgenplanschen geweckt. Inzwischen wurde ihm immer heiß, wenn er sie sah, und sein Herz klopfte laut. War er etwa-....? Ungewöhnlich wäre es nicht. Er schüttelte den Kopf. Sie war eine Freundin, mehr nicht. Und doch...
Die Sonne brannte gnadenlos vom Himmel hinab. Caan und Taoka hatten sich unter den Vorhang der Trauerweide verzogen, der einzige Ort auf dem See, unter dem es Schatten gab.
„ Wir sind die einzigen Schwäne auf dem See...“, murmelte er leise. Taoka schmiegte sich eng an ihn. „ Ich bin froh, dass ich dich hab“, meinte sie. Caan spürte, wie kleine Hitzewellen seine Brust erfassten. „ Jetzt!“, rief eine Stimme in seinem Kopf. Sollte er es ihr wirklich sagen? Caan öffnete den Schnabel, schloss ihn jedoch gleich darauf wieder. Was, wenn sie ihm erwidern würde, das sie ihn überhaupt nicht mochte? Andererseits hatte sie ihm doch vor wenigen Momenten gesagt, das sie froh war, ihn zu haben. Er schluckte. Bestimmt war er für sie nur ein guter Freund. Nein, er würde es ihr nicht verraten. Sie waren glücklich, so wie es war.
Am nächsten Tag regnete es. Caan fragte sich, ob der Sommer schon wieder vorbei war. Nun, allzu kurz war er auch wieder nicht gewesen, doch ihm sollte es Recht sein denn er mochte die Hitze nicht sonderlich. In Windeseile durchnässte der Regen sein schneeweißes Gefieder und seine Nasskälte kroch Caan schnell auch in die Knochen. Er schüttelte sich einmal kräftig und steuerte dann wiedereinmal die Trauerweide an. Dort traf er Taoka an. „ Caan!“, begrüßte sie ihn freudig. Wieder wurde ihm ganz heiß unter seinem Gefieder, obwohl er doch nass war. Sollte er vielleicht doch...? Er blickte sie an. Ihre weißen Federn. Ihre schlanke Gestalt. Und wie elegant sie den Hals gebogen hielt! Einer plötzlichen Eingebung folgend beschloss er, es ihr zu sagen. Er öffnete den Schnabel, doch er bekam keinen Ton heraus.
Sich einen Ruck gebend stammelte er: „ Taoka?“. Sie wandte sich um und blickte ihn an. Ihre wunderschönen, dunklen Augen. „ Ich... Also ich... Ähmm... Ich wollte nur sagen dass.... Nun ja, es ist so das... Ich liebe dich!“
Caan schluckte. Was für eine dämliche Liebeserklärung. Sie musste ihn für einen Idioten halten! Einen Moment lang blickte sie ihn überrascht an. Dann glitt sie zu ihm hinüber, beugte sich vor und flüsterte: „ Oh Caan! Ich liebe dich doch auch! Das musst du bemerkt haben.“ Caan spürte, wie er leicht wurde, ganz leicht. Er hatte das Gefühl als wäre er soeben in einen See voller Glück getaucht. Er schmiegte sich eng an seine Geliebte und breitete seine Schwingen über ihr aus.

Der Wind heulte und die bunt gefärbten Blätter wirbelten durch die Luft. Caan wandte sich zu Taoka, berührte ihren Schnabel sanft mit dem seinen. Sie blickte ihn an, ihre dunklen Augen leuchteten voller Liebe. „ Ich liebe dich“, hauchte er. Zärtlich schmiegte sie sich an ihn. Caan spürte die altbekannte Welle von Glück in sich aufwallen, jedes Mal aufs neue wunderbar. Es wurde bereits düster, doch die Federkleider der beiden Schwäne leuchteten im Dunkeln wie der Mond. „ Komm, lass uns bei Nacht auf den See hinaus schwimmen“, flüsterte er. Taoka nickte. Gemeinsam glitten sie unter dem Vorhang der Trauerweide hervor und trieben dicht nebeneinander über die glatte Wasseroberfläche. Sachte berührte Caan das Gefieder seiner Gefährtin mit seiner Flügelspitze. In der Mitte des Sees hielten sie an. „ Schau mal, der Mond ist so schön“, wisperte Taoka. Caan stimmte ihr zu.
In den nächsten Tagen wurde es immer kälter und stürmsicher, bis schließlich an einem eisigen, aber sonnigen Mittag der erste Schnee fiel. Eine flaumige, weiße Flocke landete auf Taokas orangefarbenen Schnabel. „ Steht dir“, zog er sie liebevoll auf. Sie musste lachen. Caan holte tief Luft und tauchte hinab in den inzwischen beißend frostigen See. Schnell schnappte er nach ein paar Pflanzen und zog seinen Kopf aus dem Wasser. Einige der Gewächse verschlang er hungrig, dann paddelte er zu Taoka hinüber und bot ihr die Restlichen an. „ Ich kann mein Futter selbst hohlen“, stellte sie klar, aber mit einem liebevollen Blinzeln nahm sie ihm die Pflanzen aus dem Schnabel.

Wie alle Jahreszeiten war nun auch der Winter vergangen. Caan blickte seiner Gefährtin zu, die auf dem Nest saß. Sie hockte auf den Eiern, die sie bereits vor einiger Zeit gelegt hatte. Er spürte förmlich die Aufregung, die von ihr ausging. Dies war das erste mal, dass sie Jungeschwäne aufziehen würde. „ Ich hohle dir etwas zu Essen“, meinte er. Dann glitt er zu ihr hinüber. Zärtlich berührte er ihre Halsfedern mit seinem Schnabel. „ Du wirst es schaffen. Ich weiß es!“, flüsterte er liebevoll. Dann wandte er sich um, um sein Wort zu halten und Taoka etwas zu Essen zu bringen.
Caan hatte auch noch eine kleine runde um den See gedreht. Als er zu Taokas´ Nest kam, stockte ihm der Atem. Drei, winzig kleine Schwanjunge piepsten mit hohen Stimmen im Nest herum. Vor Staunen fiel ihm das Futter aus dem Schnabel. Taoka lachte. „ Ihr kleinen“, meinte sie feierlich, „ Lernt euren Vater Caan kennen. Er ist der beste Schwan den es gibt.“ Caan schwamm zu ihr hinüber um seine Kinder besser betrachten zu können. Alle drei waren sie flauschig grau. „ Sie sind wunderschön“, hauchte er. Caan wusste nicht, ob er sich jemals so glücklich gefühlt hatte. „ Wie sollen wir sie nennen?“, fragte er. „ Das kleinste hier wird Cocop heißen. Das größte ist Awes,“ erwiderte sie mit weicher Stimme. „ Und dies hier... können wir sie Arla nennen?“, fragte er . Taoka stimmte zu. Caan steig zu ihr ins Nest hinauf. Die Sonne ging langsam unter und warf einen rötlichen Glimmer auf den See. Er berührte zärtlich den Schnabel seiner Gefährtin, dann schmiegte er sich eng an sie und betrachtete glücklich seine Kinder.

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Tag der Veröffentlichung: 21.09.2011

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