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I.

Nun begab es sich also zu jener Zeit, dass es mich, in meiner nicht mehr allzu wilden Jugend, nach Afrika verschlug. Nach Guinea, Conakry, der Hauptstadt. Ich weiß nicht mehr wie, aber irgendwie ist es mir geglückt, einen Draht dahin aufzubauen. Wobei auch das gelogen scheint. Denn: Um ehrlich zu sein, habe ich schon Bücher über meine tiefgreifenden Verbindungen mit dem westafrikanischen Land, seinen Menschen verfasst.

Kurz: Es geht um Ibrahim! Jenen einfühlsamen Guineer, der ein halbes Jahr bei mir verbracht, den ich kennen und schätzen lernte. In meiner kleinen Wohnung in Dortmund, Ruhrgebiet, Westeuropa, führten wir ganze sechs Monate eine mehr als harmonische Beziehung. (Einige werden davon gehört haben. Denn ich habe mir als „Zakkzakk-Journalist“ bereits in aller huldvollen, gewürzten Breite die Finger über Ibrahims Fall wund geschrieben.)

Der Junge weilte also bei mir. Wir aßen zusammen, schliefen zusammen und taten im Übrigen auch sonst all das, was eine in allen Bereichen funktionierende Bezihung ausmacht. Bis zum bitteren Ende, das gleichenfalls einen Neubeginn bedeuten soll. Ibrahim wird abgeschoben. Über Zypern in seine westafrikanische Heimat. Bei einer ollen Drogenkontrolle der Polizei, die im übrigen mit immer rigideren Mitteln gegen Asylbewerber vorgeht, bei einer ollen Drogenkontrolle also lässt Ibrahim sich mit ein paar Gramm Koks erwischen.

Es war ein lauer Abend im August. Die Dortmunder Nordstadt mit ihren 130 Nationalitäten schwelgt im Vergessen ob des schönen Wetters. Vergessen alle Razzien, alle Gewalt um Alkohol und Frauen. Ibrahim trottet mit ein paar Gramm ollen Kokses die Hauptstraße entlang – sonnenbeschienen, kein Wässerchen trübend. Gerade noch hat er mit seiner Freundin telefoniert, ein Girlie, Babs, das er in der Diskothek kennenlernte. „Warte auf mich, ich komme heute“, hatte sie ihm noch vielversprechen zugeflötet. Es schien ein vielversprechender Abend zu werden – für mich und Ibrahim.

Letzterer baselt selbstvergessen die Hauptstraße entlang. Plötzlich – ein Schrei! Eine junge Libanesin stürzt panisch aus dem

Impressum

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG

Tag der Veröffentlichung: 13.08.2016
ISBN: 978-3-7396-6882-6

Alle Rechte vorbehalten

Widmung:
für Ibrahim, meine afrikanische Sonne - ihm ist diese Reiseerzählung gewidmet ...

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