1. Die neue Klasse
Ich setzte mich auf einen leeren Platz. Neben mich setzte sich eine Blondine mit langen glatten Haaren, blauen Augen, einer hübschen, weiblichen Figur und perfekt geschminktem Gesicht. „Hey, ich bin Vany.“ „Ja, ja“, meinte Miss-Perfekt. „Nette Begrüßung, dürfte ich deinen Namen erfahren oder ist der so geheim wie dein Schönheits-Schlaf?“, meinte ich, ebenso unfreundlich. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund fing sie an, zu grinsen. „Als hätte ich das nötig.“ Okay..., dachte ich. „So?“ Sie nickte. „Egal. Channy.“
„Von welchem Namen abgeleitet?“, fragte ich, um ein Gespräch hinzukriegen mit dieser hyper-arroganten Schnepfe. Sie war ja doch irgendwie cool. „Cheyenne. Und...deiner?“
„Vanessa.“ Ich zog eine Grimasse. „Schlimmer wär’s doch, wenn du Gertrud heißen würdest. Vanessa find ich ganz cool.“ Sie lachte. Sie war wirklich ganz cool. Aber trotzdem, dieses seltsame Gefühl im Bauch, dass sie trotzdem irgendwie arrogant war, ließ mich nicht los.
„Ich find es auch nicht extrem. Aber trotzdem. Meine Eltern hätten sich was Cooleres einfallen lassen können. Irgendwie Ashley oder so.“
„Wieso denn, kommt doch auf das Gleiche hinaus, sowohl Ashley Tisdale als auch Vanessa Hudgens sind High School Musical Stars! Und ich find Vany sogar richtig cool.“
„Ich mag Vanessa auch. Ganz ehrlich, sie ist auch mein Vorbild. Ich find sie ganz hübsch, und cool und talentiert ist sie auch. Und ihr Freund erst...“, schwärmte ich. „Wie recht du hast.
Aber ganz ehrlich, du siehst ihr ähnlich. Jetzt nur noch dein Style. Dann könntet ihr glatt als Schwestern durchgehen.“ Vanessa Hudgens? Mein Gesicht hatte mich schon an irgendeinen Star so leicht erinnert. Doch nun fiel es auch mir auf. Dunkle, sanft gewellte Haare, braune Augen...und eigentlich hatte ich auch einen ähnlichen Körperbau wie sie. „Ich hoffe, das ist positiv gemeint“, sagte ich unsicher. Mann, das hörte sich echt verdammt blöd an! Aber das fiel Channy anscheinend gar nicht auf.
„Na klar“, meinte sie und zuckte mit den Schultern. „Und die Sache mit dem Style, da kann ich dir helfen.“ Channy lächelte hilfsbereit. Ich strahlte über das ganze Gesicht. „Klar! Danke!“ „Cool.“ Meine anscheinend neue Freundin wandte sich dem jungen Lehrer zu, der gerade das Klassenzimmer betrat. „Heiß“, kommentierte Channy. Unrecht hatte sie da nicht. Er sah durchaus gut aus.
Trotzdem war ich heiß nicht das geeignete Wort dafür. „Wie man’s nimmt“, meinte ich.
Sie setzte zu einer Antwort an, verstummte dann aber, als sie die Stimme des Lehrers hörte.
„Guten Morgen, ich bin Mr. Brown.“ Er strahlte in die Runde. „Brownie“, rutschte es mir heraus. Sein Name...er stimmte mit seinem Aussehen perfekt überrein. Er war braungebrannt, hatte dunkle und glatte Haare und braun-grüne Augen, was mir alles sofort auffiel. Er ist irgendwie tatsächlich, auf irgendeine Weise...heiß. Auch wenn ich das Wort eigentlich nicht im Bezug auf Lehrer verwende, egal wie zutreffend es auch ist, dachte ich. Channy prustete los, alle anderen hinterher. Brownie lachte auch mit. „Cooler Spitzname, find ich super“, lachte er. Wow, dieser Typ war mal echt cool drauf. Ich hatte etwas gesagt, was andere Lehrer als „Frechheit“ bezeichnet hätten, mir vielleicht sogar einen Verweis erteilt hätten, und er lachte und fand die Situation anscheinend sogar lustig! „Okay, ich bin euer Geschichtslehrer.“ Kotz. Wie konnte so ein Mensch so ein mega-dummes Fach wie Geschichte unterrichten. Ich hustete laut und vernehmlich, drehte meinen Kopf leicht zur Seite und hüstelte „langweilig“, so wie man das in einigen Filmen immer sah.
Die Klasse brüllte vor Lachen, und es lachte sogar wieder Brownie. Ich musste grinsen. Anscheinend musste ich nur meine wenige Schüchternheit, die ich hatte, wegwerfen, um beliebt zu sein. Okay, zugegeben, beliebt war ich noch nicht, aber das war ja schon ein sehr guter Anfang. Letztes Jahr war ich eine Außenseiterin gewesen, nachdem meine beste Freundin Grace nach London gezogen ist. Sie war meine einzige Freundin gewesen, und kaum war sie weg, wurde ich auch manchmal voll fies angemacht. Und nun war ich auf dem besten Weg, beliebt zu werden! Wie schön das Leben gerade war. „Okay, ich möchte jetzt mit euch ein wenig über den Stoff des Schuljahres sprechen...“ Kaum war dieser Satz vollendet, drifteten meine Gedanken ab. Zu dem bevorstehenden Schuljahr natürlich, wie es wohl sein würde, was mich erwartete, wie ich versuchen könnte, ein sehr beliebtes Mädchen zu werden... Anscheinend musste ich eingedöst sein, den Channy rüttelte an meiner Schulter. „Vanessa?“, fragte Mr. Brown streng. „Ja, Brownie?“, fragte ich heiter, und – dazu stehe ich – ohne jeglichen Respekt. Die Jungs prusteten laut los, und die Mädchen versuchten, sich das Lachen zu verkneifen – vergeblich, denn das kam nun als Mischung aus glucksen und husten hervor. Auch Brownie lächelte. Ha, ha, dieser Mensch war echt locker drauf. Cool.
„Vanessa, glaubst du wirklich, die Schule ist der richtige Ort zum Schlafen?“, fragte Mr. Brown mit sichtlich angestrengtem, versucht strengem Gesicht. Das Grinsen siegte. „Klar. Sie müssten nur etwas leiser werden, dann wäre es perfekt“, sagte ich, ohne eine Miene zu verziehen. Meine Mitschüler kriegten sich gar nicht mehr ein, und Channy hielt sich den Bauch und hatte schon Tränen in den Augen. „Okay, wenn du dich anstrengst und ich mich anstrenge, werden wir das schon hinkriegen.“ Dann brachte er die Klasse zum verstummen, und laberte wieder über irgendeinen Bürgerkrieg. „Gähn“, flüsterte Channy. „Wie recht du hast“, flüsterte ich zurück. „Vanessa, erzählst du Cheyenne grad etwas über deinen Traum, den du gerade hattest? Das würde uns auch interessieren“, meinte Brownie auf einmal, setzte sich aufrecht auf das Pult und schaute mich aufmerksam an. „Aber na klar doch“, versicherte ich. Mir fiel auf Anhieb allerhand Quatsch ein, den ich meinen Mitschülern und Brownie verzapfen konnte. „Also. Das Gesicht von Mr. Brown“, ich machte eine Handbewegung zu diesem, „befand sich auf einem Brownie.“ Ein paar Schüler kicherten. Mr. Brown machte ein belustigtes Gesicht. „Und dann war da noch ich. Und Channy war auch da. Und, ich kann mich schwach, ganz schwach, daran erinnern, dass der Brownie uns unterrichten wollte.“
Jetzt war das Gelächter deutlich zu hören. „Dabei ging er uns so dermaßen auf die Nerven, dass wir ihn einfach aufgegessen haben.“ Ein paar Leute fielen fast vom Stuhl. „Und – ich muss sagen – nicht schlecht.“ Ich grinste Brownie an. „Das Rezept meiner Großmutter“, meinte Brownie bescheiden. Channy schnappte nach Luft und wischte sich zwei Tränen weg. Ha. Ich war cool. Zumindest fast, aber so gut wie eben. Wie cool. Auch ich fing an, stärker zu lachen. Meine Brust bebte. „Ha, ha, ich krieg mich echt nicht mehr“, kicherte ich.
„Mann, du bist echt cool drauf!“, rief Channy.
Als die Schlue aus war, fing mich Cheyenne an der Tür unseres Bioraums ab. "Willst du mit zu mir kommen? Wir könnten shoppen gehen, du weißt schon, wegen dem Style von Vanessa", sagte sie. "Oder bist du grad pleite?" Haha, guter Witz! Meine Eltern waren stinkreich. Aber sie waren nicht abgehoben. Und außerdem bekam ich noch das Taschengeld fü rletzten und diesen Monat, und das war nicht gerade wenig. Und wenn ich sagen würde, dass ich shoppen gehen wollte, bekam ich immer noch einen fetten Geldbetrag extra. "Nee, sicher nicht. Wir gehen zu dir, dann gehen wir noch kurz zu mir, weil ich noch Geld holen muss. Und dann fahren wir in die Stadt, in Ordnung?", schlug ich vor. "Geht klar. Also, auf gehts!" Wir gingen in ihr schönes, modernes und vor allem großes Haus, das nicht weit von der Schule entfernt war. Aber ihr Haus war nichts gegen die Villa meiner Eltern.
Tag der Veröffentlichung: 17.06.2010
Alle Rechte vorbehalten