Drabble vom Baltikpoet aus Rostock
Jeden Morgen spielte sich in seinem Büro das gleiche Ritual ab. Die Vorzimmerdame breitete das Neue Deutschland aus, legte die Mappe für die wichtigsten Unterschriften des Tages bereit.
Sein erster Anruf ging nach Moskau.
Honecker trat mit der Tasse Kaffee ans geöffnete Fenster und grüßte: „Guten Morgen liebe Sonne.“, „Guten Morgen lieber Erich.“
Mittags öffnete er es wieder: „Guten Tag, liebe Sonne“ „Guten Tag, lieber Erich.
Zum Ende des Dienstes ging er ein drittes Mal ans Fenster: „Guten Abend liebe Sonne“. Dieses Mal gab es keine Antwort. „Guten Abend liebe Sonne“.
„Halte endlich deinen Rand, ich bin jetzt im Westen.“
®Manfred Basedow, 02.27.2020, Rostock
Tag der Veröffentlichung: 02.07.2020
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